OECD – Talfahrt der Weltwirtschaft zu Ende?

Wie der OECD-Chef Angel Gurria heute via sda/reuters verbreiteten liess und die NZZ brav weitermeldete, befinde sich die Weltwirtschaft nun nicht mehr im freien Fall und sieht den Beginn der Erholung gegen Ende dieses Jahres. Der Abschwung habe sich verlangsamt.

Er hat übrigens noch mehr gesagt: Der originale Reuters Artikel in Englisch ist ein bisschen genauer als die deutsche Version der NZZ, aber in der Aussage gleich.

Nun wird’s krass: Es seien dazu keine eindeutig posititven Zahlen notwendig. Mit anderen Worten er erfindet das während er redet – eine Basis in der Realität haben seine Aussagen nicht. Er führte für seine Aussagen die “Hausverkäufe in den USA und die chinesischen Exportdaten” an.

Ein kurzer Realitäts-check zeigt folgendes:

Financial Times, 19. Mai 2009:

China’s much vaunted Rmb4,000bn economic stimulus package is being delayed by local governments unable to raise their share of financing, according to a report from the state auditor.

[…]

The news comes as some economists question the efficacy of these measures in putting the country on a sustainable growth path that relies less on overstretched western demand for cheap Chinese exports.

Reuters, 21 Mai 2009:

Vice Premier Li Keqiang said that while the government’s 4 trillion yuan ($585 billion) stimulus plan had yielded initial results, it was too early to hail an economic recovery.

“The international financial crisis is still spreading, and its impact on the real economy is deepening,” the official Xinhua news agency quoted Li as saying.

und dann noch diesen von Bloomberg, 22. Mai 2009:

China’s benchmark stock index fell, capping its first weekly decline in a month, as commodity producers dropped on concern that this year’s rally overvalued prospects for the nation’s economic recovery.

Bezüglich U.S. housing konnten wir diesen Artikel von Reuters, 19 Mai 2009 finden:

Among the positive signs are rebounding home prices and sales, driven partly by investors but also young families finding they can afford a home for the first time. In March, home sales rose 64 percent in Riverside County and 89 percent in San Bernardino County compared with a year earlier.

“The interest rates and the market are now such that it invites people who have jobs to buy homes,” Riverside Mayor Ron Loveridge said. “You are seeing the first major increase in house-buying out here” since the subprime meltdown in 2007.”

Da scheinen aber mindestens zu einem Teil Spekulanten dahinter zu stehen. Ob die jungen Familien, die sich nun zum ersten Mal ein Haus leisten können, dieses auch behalten, hängt wohl massgeblich von Stellenmarkt ab – und der ist schlechter denn je.

Es ist der Stellenmarkt, Dummerchen. Es braucht Jobs mit angemessenem Salär, ein gutes soziales Netz und gut funktionierende öffentliche Infrastruktur damit die Leute wieder konsumieren können.

Aber eben, Fakten braucht’s ja neuerdings nicht mehr, so meint Gurria. Es reicht, wenn sein Bauchgefühl ihm sagt, es gehe wieder aufwärts. Hoffentlich hat Gurria seinen Bauch auch richtig verstanden und der hatte nicht nur Problem die schlechten Nachrichten zu verdauen.

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