Neues Rating für strukturierte Produkte

Der Schweizerische Verand für Strukturierte Produkte (SVSP) plant ein neues Rating für gelistete(!) strukturierte Produkte einzuführen.

Das Rating soll auf der Value at Risk (VaR) Bewertungsmethode für Wertpapiere und Portfolios beruhen und aus einer Risikokennzahl bestehen, die am Ende jedes Börsentages nach Börsenschluss neu berechnet und am nächsten Tag vor Börsenbeginn publiziert wird.

Die Produkte werden auf einer Skala von 1 (Risiko tief ) bis 6 (Risiko sehr hoch) bewertet (siehe Grafik).

Risiko Rating Klassen der SVSP

Risiko Rating Klassen der SVSP (Grafik SVSP Dokument)

Nun, es drängen sich hier gleich ein paar Fragen auf. Zunächst, wer ist SVSP?
Lassen wir die SVSP für sich selbst sprechen. Sie sagt auf ihrer Website über sich:

Der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte SVSP wurde am 4. April 2006 gegründet und vertritt die gemeinsamen Interessen von Emittenten Strukturierter Produkte.

Unter Ausschluss jeder geschäftlichen Tätigkeit wahrt und vertritt der SVSP die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder im Bereich der Strukturierten Produkte. Der Verband will zudem das Ansehen von Strukturierten Produkten und damit verbunden des Finanzplatzes Schweiz fördern.

Im Verband sind die 17 bedeutendsten Emittenten als Aktivmitglieder eingebunden. Sie vereinen über 95 Prozent des Marktvolumens Strukturierter Produkte in der Schweiz. Darüberhinaus kennt der SVSP auch eine Passivmitgliedschaft. Sie steht allen juristischen oder natürlichen Personen offen, welche die Verbandsziele unterstützen.

Nun, ein Problem der Finanzkrise war, dass sich die Ratingagenturen von den Emitenten bezahlen liessen um deren Produkte (mit AAA) zu bewerten. In der Schweiz gehen die Emitenten einen Schritt weiter und kontrollieren die Ratingagentur, brauchen also nicht mal mehr zu bezahlen um an das gewünschte Rating zu gelangen, man sitzt ja schliesslich nicht umsonst gleich im Gremium das die Bewertungen vornimmt!

Im Weiteren, muss gefragt werden, wie das Rating zu Stande kommt. Es beruht offensichtlich auf dem VaR.
Diese Methodologie ist massgeblich für die Finanzkatastrophe mitverantwortlich, weil die auf Wahrscheinlichkeiten und der Normalverteilung basiert und damit ganz einfach falsch ist, fragen sie Benoit Mandelbrot.

Fazit das Rating ist beruht auf nonsense und liefert nonsense. Es sagt überhaupt nichts aus, es ist damit auch keine Garantie verbunden.

Hier mein Kommentar zum Artikel in der NZZ, der offensichtlich der NZZ Zensur zum Opfer gefallen ist:

Alexandra Hamilton (30. Juni 2009, 15:20)
Sie haben den richtigen Riecher, Herr Ruiz
Die NZZ versagt einmal mehr völlig und leitet den Marketing Müll den sie von diesen Organisationen erhält unkritisch weiter.
Dem Verband sind UBS, Credit Suisse, Goldman Sachs. Vontobel, etc angeschlossen. Lehman Brothers war auch dabei.
http://www.svsp-verband.ch/home/mitglieder.aspx?lang=de
Ich denke, es gibt keinen Unterschied zu den Ratingagenturen, die wollen uns nur ihre Schrott Papiere andrehen um uns abzuzocken.
“Der VaR ist eindeutig und transparent definiert.” Was für ein bullshit.

Bullshit bezieht sich hier auf folgenden Textabschnitt:

Banken machen mit«Der VaR ist aber eindeutig und transparent definiert», sagte Vanini. Er könne nicht manipuliert werden.

Es gibt nicht schlimmeres als unkritische Medien. Wer diesen Satz unkritisch so stehen lässt, macht sich zum Pressorgan dieser Organisation, macht gratis Propraganda und hat die Ursachen der Krise nicht verstanden und nichts daraus gelernt.

Advertisements

Mehr als 70000 H1N1 Infizierte Weltweit

In verschiedenen Medien, z.B. in der NZZ, kann man zusammenfasssend etwa folgendes lesen:

Mehr als 70’000 H1N1 Infizierte und erste Tamiflu Resistenz festgtellt.

Ok. Zeit für einen fact-check.

Anzahl der Infizierten

Beginnen wir bei der WHO. Diese gibt in ihrem neusten Bulletin (55) folgendes an:

Grand Total of cases 70,893, death 311

Na schön, aber bei den 70,893 handelt es sich um die kummlierte Zahl aller durch Laboratorien bestätigten Fälle seit Ausbruch der Grippe H1N1. Davon sind 311 verstorben.
Was ist aber mit den restlichen 70,582 passiert? Nun, es darf vermutet werden, dass diese mittlerweile wieder gesund und munter sind – zumindest ein sehr grosser Teil davon. Es ist also durchaus nicht so, dass zur Zeit über 70,000 Menschen krank im Bett liegen, oder noch schlimmer herumirrten und andere Leute infizierten.

Schauen wir die Zahlen der WHO Bulletins ein bisschen genauer an, welche so aussehen:

Continue reading

Exit und die Zürcher Behörden

Interessante Details am Rande zu Exit und zu einem früheren Post.

Der Verein Exit wurde 1982 gegründet und feierte demzufolge im Jahre 2007 sein 25-jähriges Bestehen.
Gastredner zu diesem Anlass, war kein geringerer als Andreas Brunner, der Oberstaatsanwalt, es ist kaum zu glauben, wie offen hier Korruption praktiziert wird und die Beteiligten werden dabei nicht mal rot oder zeigen irgendeine Spur eines Unrechtsbewusstseins. O-Ton Medienmitteilung on Exit:

Die Festansprache hielt der leitende Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Dr. Andreas Brunner. Für EXIT war sein Auftritt eine sympathische Geste der Anerkennung – für Andreas Brunner “Ausdruck einer Kultur, die bei allen Unterschieden der Aufgaben von gegenseitigem Respekt und der Achtung für die Aufgabe des Anderen geprägt ist”.

Continue reading

Seltsame Rechtsauffassung der Zürcher Justizbehörden

Wir sind uns vom Zürcher Justizdepartement unter Regierungsrat Markus Notter schon einige Skandale gewöhnt, aber dieser hier toppt meiner Ansicht nach alles bisher dagewesene.

Wie die NZZ Online am 29.06.2009 meldet (Hervorhebung durch mich):

Die Sterbebegleitungen durch private Organisationen wie Exit und Dignitas sind für die Zürcher Behörden zum Problem geworden. Zu ethischen Fragen kommen finanzielle hinzu, weil polizeiliche Abklärungen nach einer Freitodbegleitung dem Staat in jedem Fall Kosten in der Höhe von mehreren tausend Franken verursachen. Auch aus diesem Grund versucht die Zürcher Justizdirektion, die Erfordernisse einer Freitodbegleitung vertraglich zu regeln; seit Monaten liegt ein Entwurf vor, den der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Brunner und die Sterbehilfeorganisation Exit ausgearbeitet haben. Seit Mai ist allerdings bekannt, dass innerhalb der Zürcher Regierung die Meinungen in dieser Sache geteilt sind. Für Aufsehen gesorgt hat diese Woche die klare Absage von Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (fdp.) an die Pläne von Justizdirektor Markus Notter (sp.). Es sei nicht am Staat, mit einer privaten Sterbehilfeorganisation einen Vertrag zu vereinbaren, hielt Heiniger am Donnerstag fest (NZZ 26. 6. 09). Die Justizdirektion reagierte am Freitag mit der Feststellung, der Vertrag werde wohl dennoch bald unterzeichnet.

Daran mutet so einiges seltsam an. Zum Beispiel dies:
Neben den ethischen und moralischen Erwägungen ob der Staat, bzw. ein Regierungsrat im Alleingang, überhaupt berechtigt ist, über ein Rechtsgut, nämlich das Leben, eines Bürgers zu verfügen, muss man hier auch die Frage nach der Art und Weise wie dies geschieht stellen. Continue reading

E. coli Infektionen in den USA

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) liefert weitere Informationen über den E. coli Ausbruch, der mit dem Konsum von rohem Nestlé Keksteig in Zusammehang gebracht wird.

Gemäss der Behörde seien bis 25. Juni 2009 insgesamt 69 Personen in 29 Staaten mit einem Virus mit spezifischer DNA Struktur infiziert worden. Von diesen seien bisher 46 Infektionen bestätigt durch den gleichen Virus hervorgerufen worden, die Tests der Übrigen Infizierten seien noch ausstehend.

Infizierte finden sich von Maine bis Kalifornien, im Alter von 2 bis 65 Jahren. Jedoch seien 64% weniger als 19 Jahre alt und 73% weiblich. Dreiundvierzig Personen seien hospitalisiert worden, wobei 9 das Hemolytische uremische Syndrom (HUS) entwickelt hätten, bisher sei niemand gestorben. Bisher werden noch neue Fälle gemeldet.

In einer epedemologischen Study seien die erkrankten Personen über während der Tage bevor der Erkrankung konsumierte Lebensmittel befragt worden. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Studie weisen auf gekühlten abgepackten Nestlé Keks-Teig der Marke Toll House hin.

Da E. coli O157:H7 bisher aber noch nie mit dem Genuss von rohen Keks-Teig in Zusammenhang gebracht wurde, gingen die Untersuchungen weiter.

Die CDC empfiehlt zusmammen mit der FDA keine Nestlé Produkte der Marke Toll House zu konsumieren und allfällig bereits gekaufte Packungen zu entsorgen.

[Quelle: CDC, USA]

FDA warnt vor Nestlé Keks-Teig

Vor etwas mehr als einer Woche warnte die FDA in den USA vor dem Verzehr von Nestlé Keksteig, wie auch der Tages-Anzeiger berichtete.

Nestlé stellte sich damals per Presse-Erklärung auf den Standpunkt, voll mit den Behörden zu kooperieren.

Ein Artikel in der Washington Post lässt diese Aussage allerdings in einem anderen Lichte erscheinen.

Gemäss diesen Artikel hat Nestlé USA, mit Sitz in Glendale, Los Angeles, zwischen 2004 und 2009 den FDA Inspektoren den Zugriff auf Beschwerde-Logs, Aufzeichnungen über Schädlingsbekämpfung und andere Informationen verweigert.

Nestlé stellt sich dabei auf den Standpunkt, dass es ‘alle Informationen, die es vom Gesetz her hat liefern müssen, auch geliefert habe und dass es sich dabei um Standardpraktiken in der Lebensmittelindustrie handle. Nestlé kooperiere immer voll mit Regulierungsbehörden.

Offenbar hat man im sechsten Stock  an der av. Nestlé 55, CH-1800 Vevey, Schweiz, andere Definitionen der Bedeutung des Wortes voll.
Das muss einem aber auch nicht wundern. Industriestandard ist offenbar auch, dass  bei gleichbleibendem – oder sogar steigendem – Preis, die Portionen kleiner werden.

Begründunge wie “Neues Rezept, renoviertes Produkt” sprechen dann auch für sich.

Was Nestlé Industrie Standard nennt, nennt der Blick ‘Beschiss‘.

Rentner sollen Anlageberater verprügelt haben

Das ganze klingt zwar schon ein bisschen nach Urban Legend. Es würde einem aber wohl in diesen Zeiten nicht überraschen, wenn die Leute beginnen, sich selbst zu helfen:

Eine Gruppe von Pensionären wird beschuldigt einen Finanzberater, welcher ihre Ersparnisse von insgesammt 2 Millionen verspekuliert hat, entführt und mishandelt zu haben .

Die vier Pensionäre, alle zwischen 60 und 74 Jahre alt und von der Polizei die “Geritol Gang” (Geritol ist ein Medikament gegen Artrithis) genannt, müssen sich auf bis zu 15 Jahre Gefängnis gefasst machen, falls sie verurteilt werden.

Die Gruppe soll den Deutsch-Amerikaner James Amburn vier Tage lang misshandelt haben. Zwei sollen ihn mit einer Gehilfe, einem sog. Zimmer frame, ausserhalb dessen Wohnung in Speyer geschlagen haben, bevor sie ihn an die Ufer eines bayrischen Sees, 480 km entfernt, fuhren.

Mr Amburn (56) sagt er sei mit Zigaretten verbrannt, verprügelt, mit einem Stuhlbein geschlagen und “wie ein Tier” angekettet worden sein. Es seien ihm auch Rippen gebrochen worden.

Er kam frei, weil er den Pensionären versprach sie zu bezahlen indem er Wertpapiere in der Schweiz verkaufe. So konnte er einen Fax schicken auf den er einen Hilferuf schrieb .

Bewaffnete Spezialeinheiten stürmten daraufhin am Samstag das Haus.

Offenbar sind die Rentner noch ziemlich gut beieinander, trotz der Gehhilfen, und der Anlageberater hat auch vier Tage lange keinem gefehlt.
Seltsam.

[Quelle: Independent, UK]