Dark Pools und Versteckte Liquidität

Was Dark Pools Sind

Ein dark pool is ein elektronischer Ort an einer Börse, der von Investment Bankern verwendet wird um versteckte Liquidät bereitzustellen, indem sie Handeln in völliger Anonymität, ausserhalb des Auges des öffentlichen Marktes, ermöglichen.
Es wird geschätzt, dass in den USA heute bereits zwischen 10 und 15% des Handels  über dark pools abgewickelt wird.

Dark pools werden von Investmenthäusern wie z.B. Goldman Sachs, JP Morgan, UBS, Morgan Stanley, etc. angeboten.
Sie werden aber auch vermehrt von traditionellen Börsen, wie NYSE Euronext, NASDAQ OMX, LSE, SWX, etc angeboten. Dies vor allem um dem Wachstum der neuen Börsen, wie Chi-X, BATS, Turquoise, welche als business model vor allem auf dark pools setzen, entgegenzutreten.

Hier sind einige dark pools (was ich an Informationen bisher finden konnte):

Dark pool providers

Dark pool Anbieter

Warum Dark Pools Attraktiv sind

Ein Grund für deren Attraktivität liegt darin, dass man in ihnen in grösseren Blocks, als in den öffentlichen Börsen, handeln kann. Die meisten traditionellen Börsen haben die grösse der Blöcke die gehandelt werden können, begrentzt. Dies als Versuch, den von den Brokern verwendeten Algoritmen entgegenzuwirken.

Ein weiterer Grund ist, dass dark pools anonym und privat sind. Offiziell weiss eine Partei nicht, wer die Gegenpartei ist. Das ist wenigstens der kommunizierte Anspruchen, aber wir können sicher davon ausgehen, dass mindestens der Betreiber des dark pools alles über die Aktivität in seinem dark pool weiss.

Dark pools werden auch von den  (quantitativen) Handelsalgoritmen bedient. Das sind im Prinzip Computerprogramme, die unter Vorgabe von bestimmten Parametern automatisch im offenen und versteckten Markt handeln.
Zum Beispiel, hat der Stealth Algoritmus der Deutsche Bank Zugriff auf 30 dark pools weltweit.
Nun müssen wir uns nicht länger fragen, warum die Börsen weltweit synchron zu funktionieren scheinen. Sie funktionieren tatsächlich synchron, zusammengefügt durch die immer selben Anbieter.

Zusätzlich wird uns auch der Wahnsinn dieses Ansatzes vor Augen geführt. Wir haben hier Algoritmus A, der – ohne Einfluss von Menschen – mit Algoritmus B darüber verhandelt, wer nun wieviel Gewinn machen soll. Etwas, dass man mit ein bisschen tuning beliebig beinflussen kann.
Als Resultat kann man nicht nur den gewünschten Profit programmieren, man kann das Ganze auch völlig unabhängig von allem, was in der realen Welt passiert machen. Das ist auch das, was wir zur Zeit erleben: Algoritmen laufen Amok überbieten sich gegenseitig mit immer höheren Geboten, während die Welt um sie herum zusammenbricht und die Menschen unter sich begräbt. Und alles mit einem zünftigen Bonus für die Herren Dimon, Blankfein und Konsorten.

Entwicklungen im Dark Pool Business

Es gibt über die letzten zwei Jahre ein paar interessante Entwicklungen auf dem Gebiet der dark pools. Es ist bemerkenswert und interessant zu sehen, dass während dieser Zeit, bis hin zum Datum des Finanzcrashes 2008, eine Konsolidierung der Anbieter stattgefunden hat.

Im September 2008 wurde gemeldet, dass die Credit Suisse und Lehmann Brothers ihre dark pools vernetzen werden, d.h. dem jeweils anderen Zugriff auf den eigenen dark pool gewähren werden. Mehr hier.

Dieser Zusammenschluss folgte einem früheren, nämlich dem von Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS die ihre pools bereits im Mai 2008 vernetzten. Mehr hier.

Ganz offensichtlich war hier bereits eine Konsolidation und ein shake-out unter den weltweit grössten Brokern zu Gange, als die Krise ausbrach.

Wir bemerken auch, dass Turquoise, eine relative junge Börse, die im August 2008 den Betrieb aufnahm, von der Deutschen Bank, BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs, Merril Lynch, Morgan Stanley, Societe Generale und UBS gepusht und finanziert wurde und wird.

Beachtlich ist auch, dass weder Bank of America noch Lehman Brothers in dieser Liste auftauchen. BofA war nicht im dark pool business tätig, bevor sie von Bernanke und Paulson genötigt wurde, Merril Lynch zu schlucken. Und Lehman Brothers ist nun Geschichte, weil es Bernanke und Paulson, letzerer war früher Goldman Sachs CEO, so wollten.

Lehmann hatte dabei nicht nur eine Partnerschaft mit Credit Suisse um deren dark pools zu verbinden, sie hatte auch eine Partnerschaft mit der London Stock Exchange (LSE) zur Errichtung eines gemeinsamen dark pools genannt Baikal.
Nun ist dieses Projekt in Schwierigkeiten geraten, da Lehman ausfiel. Die LSE plant nun einen Teil zu verkaufen, die Rede ist von 50%. Wer hat wohl die von Lehman gehaltenen Anteile gekauft hat? Ich denke die sind immer noch zu haben, wenigstens konnte ich kein Informationen über einen Verkauf finden.

Die Hauptkonkurrenten der LSE sind Turquoise, BATS and Chi-X.  Da deren Business Modell stark auf dark pools beruht, ist es Turquoise (und seinen Finanziereren) sicherlich nicht unrecht, dass Lehman verschwunden und die LSE in Schieflage geraten ist.

Das Problem mit den Dark Pools

Zusätzlich zu den oben genannten Bewegründen haben dark pools noch andere Vorteile für denjenigen der sie kontrolliert. Sie geben den grossen Anbietern nämlich die unbeschränkte Kontrolle über die Liquidität. Der dark pool Anbieter kann die Regeln machen wie er will, in den pool zulassen, wen er will und das Spiel somit beliebig (ver)fälschen.
Das der Zugriff auf diese dark pools durchaus ein Problem sein kann, weiss die Credit Suisse schon seit 2008. Sie lobbyierte nämlich für einen fairen Zugang zu diesen dark pools.

Die Abschlüsse die in den dark pools (hidden books) getätigt werden sind anonym und privat, d.h. sie sind für andere Markteilnehmer, welche am offenen Markt (open books) teilnehmen, nicht einsehbar. Es gibt also keine Möglichkeit zu wissen, wer wieviel zu welchem Preis gehandelt hat.
In der Zukunft, gibt es also nur noch die Möglichkeit, sein Geld den grossen Brokern anzuvertrauen, in der Hoffnung, diese mögen daraus einen Profit machen. Leider hat man, sollte dabei etwas schief gehen, keine Möglichkeit herauszufinden, was genau passiert ist und warum und vor allem nicht, wer was gemacht hat.
Kurz, man wird vollständig der Gnade des Brokers ausgeliefert. Das Ganze hat mit einem fairen und effizienten Markt nichts mehr zu tun. Die Börsenkurse und Indizes werden damit vollends bedeutungslos, da baar jeglichen sinnvollen Informationsgehaltes.

Ich kann mich irren, aber war es nicht geradezu Sinn und Aufgabe von Börse und Regulierungen für Trasnparenz zu sorgen und genau diese Situation zu verhindern?
Wir stellen einmal mehr fest, dass die Aufsichtsbehörden entweder komplett ahnungslos sind und versagen oder schlicht kein Interesse daran haben, hier irgendetwas zu tun.

[Hat tip: Zero Hedge die schon seit Monaten auf das Problem der dark pools hinweisen]

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