Weiterer Knatsch um den StabFund

Es geht wieder los. Die Diskussionen um den StabFund(tm) der SNB. Gemäss Tages Anzeiger:

Die Auseinandersetzungen zum Rettungsfonds «Stabfund» der Schweizerischen Nationalbank SNB für Schrottpapiere der UBS reissen nicht ab. Laut Berechnungen der «Finanz und Wirtschaft» hat die UBS auf den Schrottpapieren, die sie nicht an die SNB ausgegliedert hat (siehe Box), im vergangenen Jahr einen Gewinn von 600 Millionen Franken erzielt.

Die SNB selber hat in der letzten Woche auf den toxischen Papieren, die sie der Grossbank abgenommen hat, dagegen einen Verlust für 2009 von 2,6 Milliarden Franken bekannt gegeben. Der «Blick» fragt nun in seiner heutigen Ausgabe: Hat die UBS die Nationalbank mit Schrott-Papieren ausgetrickst? Es sieht nicht danach aus.

Tja, wer von Anfang an aufgepasst hat, hat das schon lange kommen sehen. Ziel war es, die UBS von unverkäuflichem Schrott zu entlasten. Alles andere hätte auch keinen Sinn gemacht, denn die Bilanz musste ja gesäubert werden, damit die UBS nicht untergehe.
Das war ja auch das erklärte Ziel. Schon im Juni 2009 -eigentlich schon davor -redete die SNB von „orderly liquidation“ der Papiere.

Gemäss Tages Anzeiger äusserte sich UBS-CEO Oswald Grübel gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sehr klar:

«Die SNB hat auf den von UBS übernommenen Papieren keine Verluste realisiert», sagt er und geht noch weiter: «Seit September 2008 hat die SNB an der Finanzierung 600 Millionen Dollar verdient. Wir haben der SNB angeboten, diese Anlagen zurück zu kaufen, was diese abgelehnt hat. UBS hat an der Verwaltung des Fonds kein Geld verdient sondern bis jetzt nur Kosten gehabt.»

Banker-speak. Das sezieren wir mal.

«Die SNB hat auf den von UBS übernommenen Papieren keine Verluste realisiert»

Die Papiere werden vom StabFund gehalten, welcher rechtlich ein Structured Investment Vehicle (SIV) und von der SNB unabhängig ist. Den Verlust auf den Papieren macht also der StabFund und nicht die SNB.  Nun hat aber die SNB hat dem StabFund bisher 20 Milliarden geliehen und die stehen auf dem Spiel, wenn der Wert der Papiere weiter sinkt.

Die SIV zeichnen sich dadurch aus, dass sie, weil sie rechtlich selbständig sind, „off-balance-sheet“ sind, also in den Bankenbilanzen nicht im Detail erscheinen. In der Bilanz der Bank sieht man lediglich den Wert der Beteiligung der Bank am SIV.
Diese Konstrukte, d.h. die SIV, können daher wunderbar dazu benutzt werden, Risiken auszulagern aber auch zu verschleiern.

Die SNB macht das aber anders: Das SIV erscheint in der Bilanz der SNB und diese weisst dann auch einen Verlust für 2009 auf diese Papiere aus.  Der ist denmach bereits realisiert und beginnt irgendwann – oder hat schon, je nachdem wie man die Papiere bewertet – das Darlehen der SNB an den StabFund aufzufressen.  Genau so wie die Einlage der UBS vollständig aufgefressen wurde.
Das sich das noch ändert, indem die Papiere in ihrer Laufzeit dann doch noch was Wert sein werden, ist möglich, aber wetten würde ich darauf nicht – auch nicht mit „think positiv/positive attitude“.

«Seit September 2008 hat die SNB an der Finanzierung 600 Millionen Dollar verdient. Wir haben der SNB angeboten, diese Anlagen zurück zu kaufen, was diese abgelehnt hat.»

Nun ja, damit sind sicherlich die Zinsen auf das Darlehen (zur Zeit um die 20 Milliarden beträgt) gemeint, welches die SNB dem StabFund gewährt hat. Sehen wir mal welcher Verlust am Ende herausschaut – im schlimmsten Fall die 38 Milliarden minus ein paar hundert Millionen Zins, macht immer noch einen ziemlich deftigen Abschreiber.

«UBS hat an der Verwaltung des Fonds kein Geld verdient sondern bis jetzt nur Kosten gehabt.»

Ich glaube mich erinnern zu können, in der Presse gelesen zu haben, dass die UBS Angestellten, die die Papiere des StabFunds für die SNB im verwalten, von der SNB und nicht von der UBS bezahlt werden. Da kann ich mich aber auch irren. Ich hoffe aber tatsächlich, dass die UBS selbst nicht noch damit Geld verdient, indem sie Gebühren für die Verwaltungstätigkeit ihrer Angestellten für den StabFund kassiert.

Interessanterweise äussert sich Herr Grübel nicht darüber, wie viel Geld die UBS durch den Verkauf der Papiere an den StabFund gemacht hat.
Man rechne: Der StabFund kauft Papiere für 38 Milliarden von der UBS, wieviel hat die UBS dann eingenommen? Mir fehlen die finanzmathematischen Modelle um dies genau zu errechnen, ich nehme deshalb also einfach die 38 Milliarden.
Beim Zeitpunkt des Kaufs waren diese Papiere irgendwo zwischen 0 und 38-n Milliarden wert, offensichtlich weniger als 38 Milliarden, weil der StabFund darauf schon Verluste verbucht hat. Demnach is n gleich dem Verlust auf den Papieren, also ca. 4 Milliarden. Die UBS hat demnach bisher 4 Milliarden „verdient“ oder 4 Milliarden weniger Verlust gemacht.

Und die UBS wollte die Papiere zurückkaufen? Hahaha, ne.

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2 Gedanken zu „Weiterer Knatsch um den StabFund

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