Netzneutralität à la française

In einem vorläufigen Bericht schlagen zwei französische Parlamentarier vor, die Netzneutralität gesetzlich zu definieren und im Gesetz zu verankern. Le Monde:

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Die Neutralität des Internet ist ein ungeschriebenes Gesetz des Netzwerkmanagements, das besagt, dass alle Inhalte im Netz ohne Diskriminierung bezüglich Ursprung, Ziel und Art zirkulieren sollen. In der Praxis aber sind sich nicht alle Teilnehmer einig über die genauen Modalitäten dieser Neutralität: Einige Internet Service Provider (ISP), zum Beispiel, gehen davon aus, dass sie Massnahmen ergreifen dürfen um den Verkehr in ihrem Netzwerk zu regeln und in bestimmten Momenten verschiedenen Datentypen verschiedene Prioritäten zuweisen können.

Von dieser Feststellung ausgehend schlagen die zwei Abgeordneten vor dass eine Definition von Netzneutralität im Gesetz festgeschrieben werde, welche die verschiedenen Positionen berücksichtigt und eine Schattenzone beseitigt. Die Frage ist sowohl technischer wie auch wirtschaftlicher Natur: Abhängig davon ob Netzneutralität strikt oder weniger strikt ausgelegt wird, stehen für die ISP Investitionen an um dem Wachstum des Verkehrs gewachsen zu sein. Einige ISPs verlangen insbesondere, dass die Konsumenten von datenintensiven Anwendungen, wie Videoseiten, an der Finanzierung der Infrastruktur mitwirken.

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Der Konsument der einen 50MBit Anschluss bei Cablecom bezahlt erkauft sich damit auch mehr Bandbreite als jener der nur einen 2MBit Anschluss beim selben Anbieter bezahlt. Es ist auch unbestritten, dass der Verkehr zum Zwecke der Erhaltung einer gleichbleibend guten Dienstleistung für alle Kunden gemanagt werden darf. Das alles ist aber heute schon möglich und es scheint mir es gehe den ISPs hier um mehr, als nur um das Management ihrer Bandbreiten.

Vermutlich geht es um die Einführung eines feineren Abbrechnungssystems in dem der Konsument nicht mehr für den Anschluss an sich bezahlt – unabhängig davon was er damit konsumiert. Sondern er bezahlt pro Anwendungstyp die je nach Typ unterschiedlich kosten. Sagen wir sie haben das Packet Websites abonniert, aber nicht das Paket TV&Videos und können deshalb auch nur auf Websites (Textseiten) zugreifen, nicht aber die Videos anschauen, die dort angeboten werden.
Das führt automatisch zur Blockierung von Diensten, die man nicht abonniert hat und somit zur Zensur.

Man verspricht sich davon wohl weitere Einnahmequellen und mehr Profite. Ich zweifle aber daran, dass das funktioniert. Der Reiz des Internet ist (oder war), dass vieles unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird. In dem Moment wo man für jeden Dienst einzeln zur Kasse gebeten wird, verliert das ganze seinen Reiz. Das Internet hätte sich unter diesen Bedingungen nie so verbreitet. Wenn es nicht 100,000-ende gäbe oder gegeben hätte die ihre Inhalte gänzlich unentgeltlich und frei zugänglich anbieten, wäre das Internet extrem langweilig und vermutlich bereits tot.

Die ISPs dürften sich hier ins eigene Bein schiessen sollten sie dies durchziehen, aber der Profit lockt und somit werden sie’s wohl doch tun.

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