Kampf um die Stabilisierung der Reaktoren im japanischen Erdbebengebiet

Dieser Artikel ist eine Übersetzung aus dem Englischen des Artikels “Battle to stabilise earthquake reactors” auf World Nuclear News. Es ist die bisher beste Zusammenfassung die ich gesehen habe. (Hat tip ZeroHedge)

Die Aufmerksamkeit liegt auf den Atomanlagen Fuskuschima Daiichi und Daini während Japan versucht mit den Folgen des schlimmsten Erdbebens seit Menschengedenken zurechtzukommen. Eine Explosion auf dem Gelände hat die Reaktorhülle nicht beschädigt.

Drei der insgesamt sechs Fukuschima Daiichi Reaktoren war in Betrieb als das gestrige Beben zuschlug, zu welchem Zeitpunkt sie automatisch abschalteten und begannen mit Hilfe von Dieselgeneratoren die Resthitze abzuführen. Diese versagten nach einer Stunde unvermittelt den Dienst und dies wurde auf die Überflutung durch von der International Atom Energie Behörde (IAEA) auf den Tsunami zurückgeführt.

Der Verlust der Dieselgeneratoren veranlasste die Eigner der Anlage, Tokyo Electric Power Company (Tepco) sofort die Regierung darüber zu informieren, das technische Probleme aufgetaucht seien, was es den Behörden erlaubt sofort zusätzliche Vorsorgemassnahmen zu treffen.

Für viele Stunden lag das Hauptaugenmerk der Arbeit an der Anlage darauf, genug mobile Energieeinheiten an den Stromkreis der Anlage anzuschliessen um die Dieselgeneratoren vollständig zu ersetzen und die volle Funktionsfähigkeit des Kühlsystems wiederherzustellen.

Druckaufbau und Druckablass

Ohne genug Energie für die Kühlsysteme reduzierte der Reaktorkern der Einheiten 1, 2 und 3 den Pegelstand des vorhandenen Kühlwassers durch Verdunstung. Der darauf folgenden Anstieg des Drucks im Kühlkreislauf kann durch Druckablassventile geregelt werden. Dies führt jedoch zu einem Druckanstieg im Reaktorgebäude. Tepco sagte, dass der Druck in der Reaktorhülle des Fukuschima Daiichi 1 etwa 840 kPa erreicht hat. Normal wären 400 kPa.

Die Firma hat entschlossen dies “für die Einheiten welche einen bestimmten Wasserstand nicht bestätigen können‘ durch kontrollierten Druckablass von Luft und Wasserdampf in die Atmosphäre handzuhaben. Weil dieses Wasser durch den Reaktorkern geflossen bedeutete das, dass mit Sicherheit ein bestimmtes Mass an Strahlung freigesetzt wurde. Die IAEA sagte, dies werde gefiltert um die Strahlung im Gebäude zurückzuhalten. Tepco hat bestätigt dass es im Begriff war Druck aus der Einheit 1 abzulassen und Vorbereitungen traf, dasselbe auch für Einheiten 2 und 3 zu tun.

Explosion

Fernsehkameras, welche auf die Anlage gerichtet waren, zeigten eine dramatische Explosion rund um Einheit 1 gegen 18:00. Unter dem sichtbaren Druckablass und einer Staubwolke war es nicht möglich das Ausmass der Schäden zu sehen. Das äussere Gebäude agiert nicht als Hülle. Diese ist ein Luftdichter Behälter im Inneren.

Der Hauptsekretär des Kabinets, Yukio Edano, erschien am Fernsehen um zu erläutern, dass die Explosion die Wände und das Dach des Gebäudes aber nicht den Reaktor oder dessen Hülle beschädigt hätten.

Die Beobachtungen von Fukuschima Daiichi 1 hatten zuvor eine Erhöhung der Strahlung, die von der Anlage her durch den Abgaskamin und den Abwasserkanal kam, ergeben. Tepco sagte, dass die Menge von radioaktiven Material, wie Jod, zunehmend sei. Die Strahlungsmenge bei der Grenze der Anlage ist nun höher als eine gesetzlich festgelegte Grenze was wiederum neue Vorsichtsmassnahmen auslöst. Dies bedeutete auch, dass der Zwischenfall auf der International Nuclear Event Scale (INES) als ein Ebene 4 Zwischenfall eingestuft wird – ein ‚Unfall mit lokalen Konsequenzen‘.

Um die Gesundheit der Bevölkerung vor potentiellen schädlichen Auswirkungen von radioaktivem Jod, welches freigesetzt werden könnte, zu schützen, bereiten die Behörden die Verteilung von nicht-radioaktiven Kalium-Jodid Pillen vor. Dies wird schnell vom Körper aufgenommen und verhindert die Aufnahme von Jod, sollte jemand dem ausgesetzt sein.

Während der letzten Stunden wurden Evakuierungsbefehle für Bewohner schrittweise auf 20 Kilometer rund um die Anlage ausgedehnt.

Einspeisung von Meerwasser

Die Einspeisung von Meerwasser in das Gebäude begann um 20:20 und es ist geplant danach Borsäure hinzuzufügen, welches dazu dient, Kernreaktionen zu verhindern. Tepco unterbrach die Arbeiten als ein neuer Tsunami vorhergesagt wurde, setzte die Arbeit jedoch fort nachdem Entwarnung gegeben wurde.

Erhöhte Temperaturen

Unterdessen informierte Tepco die Regierung über einen weiteren Notfall im angrenzenden Fukuschima Daini, wo vier Reaktoren sicher heruntergefahren wurden als das Erbeben begann.

Der Kernisolation des Kühlsystems des Reaktors der Einheit 1 funktionierte normal und wurde später ergänzt durch ein separates ad-hoc Wasserkondensationssystem. Das letztere fiel jedoch später aus, als die Temperatur in der Unterdrückungskammer 100 Grad Celsius erreichte. Dies veranlasste Tepco dazu die Regierung von einer neuerlichen Notfallsituation in Kenntnis zu setzen.

Tepco hat angekündigt, dass es sich entschlossen hat Vorbereitungen für einen erneuten kontrollierten Druckablass zu treffen um den Druck auf allen vier Einheiten von Fukuschima Daini zu reduzieren.

Eine drei Kilometer breite Zone wird dazu evakuiert und die Bewohner in einem Umkreis von zehn Kilometern werden avisiert, dass eine Erweiterung der Zone notwendig werden könnte.

Arbeiter

Ein ernstlich verletzter Arbeiter war in der Einheit 1 von Fukuschima Daiichi in der Bedienungskonsole des Krans des Abluftkamins gefangen und ist mittlerweile verstorben. Vier Arbeiter wurden beim gleichen Reaktor durch die Explosion verletzt und wurden ins Krankenhaus gebracht. Ein Contractor  wurde bewusstlos gefunden und ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Zwei Arbeiter einer ‚kooperativen Firma‘ wurden verletzt, sagte Tepco. Einer davon mit einem gebrochenen Knochen.

Bei der Einheit 3 von Fukuschima Daiini wurde ein Arbeiter mit einer Strahlendosis von 106 mSv verstrahlt. Das ist Vergleichbar mit der Strahlenmenge, die von einigen national Regulatoren  während Notfällen als noch akzeptabel angesehen wird.

Zwei Tepco Arbeiter werden noch vermisst.


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