Hintergrund des Konflikts in Bahrain

Karte von Bahrain

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Man hört in letzter Zeit ab und zu etwas über die Ereignisse in Bahrain, allerdings nur sporadisch und meist unvollständig. Es ist deshalb Zeit für ein bisschen Hintergrundinformationen über diesen Konflikt.

Das Königreich Bahrein liegt im Persischen Golf auf einer ca. 760 Quadratkilometer grossen Insel, direkt vor der Küste von Saudi Arabien, mit dem es über eine Brücke verbunden ist.

In Bahrain leben ca.  1.2 Millionen Einwohner, davon sind nicht einmal die Hälfte (ca. 46%) Bahrainis , der Rest sind zugewanderte Ausländer. Von den ca. 660’000 Bahrainis sind ca. 66 bis 70% Schiiten, 29 bis 33% Sunniten und der Rest (ca. 1% andere).

Wappen von Bahrain

Wappen von Bahrain

Die Regierung, d.h. das Königshaus, welche Sunniten sind verfolgte in den letzten Jahren die

Unterdrückung der Schiitischen Mehrheit. Zum Beispiel dürfen Schiiten nicht in den Sicherheitskräften des Landes angestellt werden. Der Sicherheitsapparat besteht denn auch mehrheitlich aus ausländischen Mitgliedern, z.Bsp. Jordaniern, Syrern, Jemeniten und Pakistani, die zum Teil eingebürgert wurden, nicht zuletzt um den Anteil der Schiiten an der Gesamtbevölkerung zu senken. (Eine Annonce,die Söldnern im Ausland anwerben soll, erschien Anfang März in pakistanischen Medien)

Lediglich 18% der Stellen im öffentlichen Dienst sind mit Schiiten besetzt, was zur hohen Arbeitslosigkeit unter Schiiten erheblich beiträgt.

Verteidigungsminister Gates in Bahrain

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Manama, die Hauptstadt von Bahrain, ist auch der Sitz der 5. US Flotte und damit für die USA und ihre Strategie von erheblicher Bedeutung.Das brachte auch der Besuch des US Verteidigungsministers, Robert Gates, kurz vor dem Einmarsch der Saudis zum Ausdruck, indem das Verteidigungsministerium hervorhob, dass die USA vor allem an ‚Stabilität und Kontinuität‘ interessiert seien.

Im Jahre 2001 keimte kurz die Hoffnung auf eine Demokratisierung auf, jedoch schrieb das Bahrain Center for Human Rights im Jahre 2006, dass es sich dabei um falsche Hoffnungen für die Schiiten gehandelt hat:

Bahrain hatte seinen “demokratischen Frühling” im Jahre 2001, etliche Jahre bevor Washington hoffnungsvoll nach dem Aufkeimen der Demokratie in der arabischen Welt Ausschau hielt. Aber für die Schiiten, welche etwa 2/3 der 470’000 Einwohner der Insel (Anmerkung: Die Zahl der Einwohner ist seither gestiegen) hat es sich als ein falscher Frühling herausgestellt.

Die Emanzipation der Schiiten im Irak und der zunehmende Einfluss des Iran haben Bahrains herrschende sunnitische Minderheit vorsichtig gemacht und hat den Wandel nicht beschleunigt.

Nachdem König Hamad ibn Isa al-Chalifa, der sunnitische Herrscher Bahrains, im Jahre 1999 die Macht erbte, liess er politische Gefangene frei und hiess politische Aktivisten, die nach den Unruhen in den 1990ern ins Exil mussten, wieder Willkommen im Land.

Darauf lud er die Bahrainis ein über einen neuen sozialen Kontrakt abzustimmen, aber die resultierende Verfassung, mit absoluter Macht für die al-Chalifa Familie uneingeschränkt durch ein neues und zahnloses Parlament, erfüllte die Erwartung nicht, die der König selber genährt hat.

Nun, da Parlamentswahlen zum zweiten Mal in vier Jahren bevorstehen, sind die Hoffnungen auf ein politisches System, dass den Schiiten einen faireren Anteil an Wohlstand, Land und Macht gibt, verflüchtigt. Für junge Schiiten bleibt die Aussicht auf ein anständiges Einkommen trübe.

Nicht nur Jobs werden sorgfältig an die Lakaien des Königshauses verteilt, auch der Besitz ist überwiegend in den Händen der Herrscherfamilie, das zeigt eine mit der Hilfe von Google Maps erstellte Präsentation, Bahrain Land Ownership (pdf), sehr eindrücklich.

Im Herbst 2010 begann die Regierung gegen die Schiiten und die Opposition vorzugehen und Griff hart durch, was Amnesty International dazu veranlasste am 8. Oktober 2010 eine Medienkommunikation zu veröffentlichen, die Sie hier in voller Länge und in Englisch finden und die ich hier teilweise wiedergebe:

Von annähernd 250 Indivuen wird angenommen, dass sie als Teil eines Durchgreifens gegen die schiitische politische Opposition und Aktivisten im Vorlauf der Parlamentswahlen vom 23. Oktober festgesetzt wurden.

Seit der Verhaftung von 23 schiitischen politischen und Menschenrechtsaktivisten im August, hat die Regierung in Verbindung mit Protesten und Aufständen gegen die Regierung, die in schiitischen Dörfern und Städten abgehalten wurden, weitere 230 Personen verhaftet, alle davon vermutlich Schiiten.

Man sieht also, dass der Konflikt schon eine Weile schwelt und es sich dabei auch nicht um einen religiösen Konflikt handelt, auch wenn das in der Presse immer wieder so dargestellt wird. Das wird auch dadurch deutlich, dass Sunniten und Schiiten gemeinsam demonstriert haben: “Keine Sunniten. Keine Schiiten. Eine einige Nation.“

Keine Sunniten. Keine Schiiten. Eine einige Nation.

«Keine Sunniten. Keine Schiiten. Eine einige Nation.» Steht auf dem Plakat gehalten von Scheich Ali Salman (links), dem Leiter der schiitischen Oppositionspartei Al-Wefaq und Ibrahim Sharif, dem sunnitische Leiter der liberalen al-Wa'ad Oppositionspartei - Bildquelle: Hassan Jamali/AP

Es ist ein sozialer Konflikt zwischen jenen die (fast) alles haben und denen die praktisch nichts haben.

Bahrain: Dringender Hilferuf - Bitte retten sie die Bevölkerung Bahrains

Bahrain: Dringender Hilferuf - Bitte retten sie die Bevölkerung Bahrains

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