Raymond Davis durch Gericht freigelassen – Entscheid angefochten

Raymond Davis

Raymond Davis (Mitte) Bildquelle: AP

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis sich die pakistanischen und die US amerikanischen Behörden einig werden. Die Frage war eigentlich nur, wie die Freilassung geschehen und wieviel sie kosten würde.

Seit gestern kennen wir den Preis 100 Millionen Rupien (RS) pro getöteten Pakistani, das sind umgerechnet ca. 1.07 Millionen CHF oder 853’000 Euro. Soviel nämlich bekamen die Angehörigen der beiden getöteten. Die US Regierung besteht allerdings darauf, sie habe kein Blutgeld (die sog. dija) bezahlt. Das kann auch stimmen, dann nämlich wenn das Geld via die Familie von Davis bezahlt wurde. Davis wurde gleich darauf vom örtlichen Bezirksgericht freigelassen und hat Pakistan bereits verlassen.

Die Sache scheint durch einen Deal zwischen dem pakistansichen ISI und der US CIA möglich und offenbar schon vor einer Woche spruchreif geworden zu sein. Dies geht aus der ungewollte Freigabe und Veröffentlichung einer vorbereiteten und auf den 10 März datierten Presseerklärung des US Botschafters hervor, in der dieser den Deal bestätigte und die lautete:

«Die Familien der Opfer des Zwischenfalls in Lahore vom 27 Januar haben Raymond Davis verziehen. Ich bin dankbar für deren Grosszügigkeit. Ich möchte einmal mehr meinem Bedauern über den Zwischenfall und den Leiden, die er verursacht hat, Ausdruck geben. Ich kann bestätigen, dass das Justizdepartement der Vereinigten Saaten eine Untersuchung des Zwischenfalls in Lahore eingeleitet hat.»

Es ist anzunehmen, dass sich ISI und CIA bei einem Treffen im letzten Monat in einem abgelegenen Luxus Kurort in Oman einig geworden sind.   (Quelle: Dawn-Englisch)

Die Geschichte scheint damit aber noch nicht zu Ende, den nach den Angaben der Anwälte der Familien der Opfer waren erstere bei der Verhandlung und der Unterzeichnung der Erklärungen nicht zugegen sondern wurden festgesetzt. Nun hat einer dieser Anwälte beim Obersten Gericht in Lahore (Lahore High Court, LHC) eine Petition eingereicht in der der Entscheid des örtlichen Bezirksgerichts als Gesetzesverletung angefochten wird und ein Verfahren gegen “die, welche für die Freilassung von Davis verantwortlich sind” gefordert wird (Quelle: Dawn-Englisch)

Die Anwaltsvereinigung von Lahore, resp. deren Präsident, Schahzad Hassan Scheich sagte, dass die Entscheidung [des Gerichtes] sei auf den Druck der Amerikaner zustande gekommen, als deren Versuch den diplomatischen Status von Davis zu beweisen fehlschlug. (Quelle: The Nation-Englisch)

Na, da kann man ja gespannt sein auf das Verfahren der US Justiz gegen Davis. Allerdings scheint mir, dass damit die Sache erledigt ist, denn ein wirkliches Interesse daran, was Davis tatsächlich in Pakistan gemacht hat, hat weder Pakistan noch die USA.

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