Mediale Einseitigkeit am Beispiel Syrien

Nicht, dass Syrien das einzige Beispiel wäre, an dem die medial einseitige, offenbar auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtete Berichterstattung wäre, aber es bietet sich als Beispiel geradezu an.

Vermutlich haben die Meisten die Berichte über die Demonstrationen in Syrien und die ziemlich gewaltsame Reaktion der syrischen Sicherheitskräfte darauf gelesen, z.B. NZZ (Deutsch) oder El País (Spanisch). Der Tenor: Böse Sicherheitskräfte massakrieren friedliche Demonstranten. Der Tages Anzeiger versucht dies sogar mit einem Video zu untermauern, scheitert aber kläglich. Das Video sagt überhaupt nichts aus, es ist nicht mal klar ob es in Syrien und in Deraa gedreht wurde, oder anderswo.

Wer neugierig ist, kann sich im Vergleich dazu anhören, was die syrische Regierung dazu zu sagen hat. Diese glänzt zwar zugegebenermassen alles andere als demokratisch ist und des öfteren nicht durch Offenheit in ihrer Informationspolitik, was jedoch nicht notwendigerweise heisst, dass die Informationen falsch sind.

Die offizielle syrische Variante der Ereignisse geht in etwa so:

Eine bewaffnete Gruppe hat am Mittwoch ein medizinisches Team in einer Ambulanz angegriffen welche in der Nähe der al-Omari Moschee vorbeifuhr. Ein Arzt und ein Fahrer wurden dabei getötet. Darauf entwickelte sich ein Gefecht mit den Sicherheitskräften in deren Verlauf etliche Mitglieder der bewaffneten Gruppe ‚getroffen‘ und verhaftet wurden.

Die bewaffnete Gruppierung soll in der al-Omari Moschee grössere Mengen Waffen, Munition

Waffen, Munition und Geld welches angeblich in der al-Omari Moschee gefunden worden sein soll

Waffen, Munition und Geld welches angeblich in der al-Omari Moschee gefunden worden sein soll (Klicken um zu vergrössern)

und Bargeld gelagert haben, was SANA auch mit dem nötigen Bildmaterial zu untermauern versucht. Die Waffen und die Munition sollen vom Ausland stammen und nach Syrien geschmuggelt worden sein.

Hinter dem ganzen steht nach offizieller syrischer Lesart die Muslim Bruderschaft in Syrien. Angeblich soll der Führer der Gruppe, Rijad al-Schaqfa, die Rückkehr der Bruderschaft zu militärischen Aktionen angekündigt haben. (Quelle: SANA-Englisch)

Zur Erinnerung: Es war die Muslim Bruderschaft die hauptsächlich für den bewaffneten Aufstand verantwortlich war, in dessen Höhepunkt die Stadt Hama von der syrischen Luftwaffe bombardiert wurde wobei zwischen 10’000 bis 30’000 Menschen – man kann davon ausgehen vorwiegend unschuldige Zivilisten – ums Leben kamen.
Zu beachten ist sicherlich, dass der damalige Konflikt auch ein Machtkampf zwischen den alewitischen Machthabern und der sunnitischen Muslim Bruderschaft war. Die Alewiten sind einr schiitische Gruppierung und stellen eine Minderheit (ca. 10%) in der Bevölkerung dar. (Quelle: Wikipedia)

Die Muslim Bruderschaft in Syrien, bzw.  al Schafqa hat tatsächlich zur Verstärkung der Aktivitäten aufgerufen, allerdings beschränkt bis hin zum zivilen Ungehorsam und nicht zum bewaffneten Kampf. (Quelle: Asharq al-Awsat-Englisch)

Al-Schafqa hat auch in einem Interview auf Ikhwanweb, der Website der Muslim Bruderschaft, gesagt es gehe ihnen nicht in um die Macht sondern um ‚Freiheit, Demokratie und Gleichheit‘ und wenn Assad das einführe, habe er die Unterstützung der Bruderschaft. (Quelle: Ikhwanweb-Englisch)

Die Lage ist also komplizierter, als es uns die Medien weismachen wollen. Die Komplexität passt eben nicht in das Narrativ der sich ‚demokratisierenden arabischen Welt‘, ebensowenig passt Bahrain in dieses Narrativ.

Nun kann man natürlich sagen, die Äusserungen eines unterdrückerischen Regimes seien nicht glaubhaft. Nun gut, aber sind denn diejenigen von den Massenmedien portierten Aussagen glaubhaft?
Man muss zum Schluss kommen, dass sie nicht wesentlich glaubhafter sind. Das ist sogar belegbar mit unzähligen Falschmeldungen, einseitiger Berichterstattung und auslassen von wichtigen Fakten.

Am Ende muss jede(r) selber beurteilen, welcher Version der Ereignisse für ihn glaubhafter ist. Das geht aber nur, wenn man unvoreingenommen informiert wird. Das ist hier nicht der Fall.

Ein weiteres Beispiel für den Medienfilter.

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