Wissenschaftler wollen so tief in die Erde bohren wie noch nie

Aus dem National Geographic:

Wissenschaftler planen zum ersten Mal durch die kilomterdicke Erdkruste in den tiefen, heisse Erdmantel zu bohren. Die Proben, sagen sie, würden bezüglich wissenschaftlicher Wichtigkeit dem Mondgestein nahe kommen – und es zu erlangen sei ähnlich schwierig.

Ein solches Unterfangen ist bisher an technischen Schwierigkeiten und am Preis gescheitert.

Zwar ist die Technologie nun soweit, dass man es ernsthaft versuchen kann, der Preis ist jedoch immer noch hoch. Trotzdem soll es 2020 losgehen.

Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch Erkenntnisse sowohl über die Erdgeschichte als auch über Erdbeben.

Man muss sich das so vorstellen,dass durch die Erdkruste, welche zwischen 5 und 70(100) Kilometer dick ist, gebohrt wird, bis man in den obersten Teil des Erdmantels vorstösst.

Mohorovicic Diskoninuität

Fig. 1 - Mohorovicic Diskoninuität (Klicken um zu vergrössern)

Dazwischen liegt die sogenannte Mohorovičić Diskontinuität, welche meist Moho genannt wird.

Unter den Ozeanen liegt die Moho etwa 8 km unter dem Meeresgrund, unter den Kontinenten liegt sie in etwa 32 km Tiefe.

Obwohl es schon in der Vergangenheit tiefe Bohrungen[1,2,3] gab, wurde die Tiefe des Moho bisher nicht erreicht.

Mein weiss also nicht viel über den Moho selbst. Von dessen Existenz weiss man auch nur deshalb, weil sich dort die Geschwindigkeit von seismischen Wellen ändert, weshalb man von Diskontinuität redet. (Quelle: geology.com-Englisch)

Das eigentliche Ziel der Bohrungen ist aber der Erdmantel, zumindest dessen oberer Teil.

Der beste Platz um zu bohren ist mitten im Ozean weil dort die Erdkruste am dünnsten ist.

Dicke der Erdkruste

Fig. 2 - Dicke der Erdkruste (Klicken um zu vergrössern)

Es werden Temperaturen von ca 300 Grad Celsius und ein sehr hoher Druck, bis zu 2’000 Atmosphären, erwartet.

“Wenn das mal gut geht!”, mag sich jeder denken der den BP Unfall im Golf von Mexiko mitverfolgt hat. Es gebe aber angeblich keine Gefahr eins ‘blowouts‘, weil da, wo man bohrt keine Öl- oder Gaseinlagerungen sein werden. Noch werde es einen plötzlichen Ausfluss von geschmolzenem Mantelgestein geben, da das Bohrloch zu eng sei für das feste Gestein.

Es ist wie überall, man hat alles im Griff, bis man es nicht mehr im Griff hat. Offenbar weiss man nicht so viel über Moho und Erdmantel, man erwartet zwar bestimmte Bedingungen anzutreffen, aber wissen tut man es nicht. Sicher ist man sich hingegen darüber, dass es zu keinen (ernsthaften) Problemen kommen wird.
Persönlich habe ich die Art von Argumentation schon öfters gehört und die Versicherung der Experten klingen immer mehr wie die letzten Worte des Beifahrers: “Rechts ist frei!”.

[1] Kola-Bohrung – Tiefe 12’262 m

[2] Al-Schaheen – Tiefe 12’290 m

[3] Sachalin-I – Tiefe 12’345 m

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