Libyen und die Landwirtschaft

Das Great-Man-Made-River Projekt

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In einem vorherigen Post schrieb ich darüber, wie die grossen Firmen in Afrika Land zusammen kaufen oder pachten um darauf Nahrungsmittel und Biotreibstoffe für ihre Heimmärkte anpflanzen zu können.

Man denkt bei Landwirtschaftflächen nicht gerade an Libyen. Bei Libyen denkt man eher an Öl und Sand, d.h. Wüste. Das ist vermutlich deshalb so, weil viele Leute das Great Man-Made River Projekt Gaddafis nicht kennen.

Im Süden Libyens liegen mehrere hundert Meter unter der Erde immense fossile Wasserreserven. Das Ziel des ca 1984 begonnen Projektes war es, diese Wasser an die Oberfläche zu pumpen und durch ein immenses Röhrensystem in den Norden zu leiten. Das Wasser dient vorwiegend der Bewässerung von Feldern und als Trinkwasser.

Verlegung von Röhren mit 4 m Durchmesser

Verlegung von Röhren mit 4 m Durchmesser (Klicken um zu vergrössern)

Die dazu verwendeten Röhren werden in Libyen hergestellt, das ganze Projekt ist in den Händen der Libyer (bzw. Gaddafi) und wurde auch vollständig von Libyen bezahlt.

Wichtige Meilensteine wurden bereits erreicht und ab 2013 soll das Projekt das Land mit jährlich 2 Milliarden Litern Wasser versorgen.

Nach Berechnungen der libyschen Regierung sollen die Wasserreserven ca. 4000 bis 5000 Jahre reichen, weniger optimistische Schätzungen rechnen mit 250 Jahren und Kritiker des Projektes gehen gar von nur 40 bis 50 Jahren aus.

Das Projekt soll auch 130’000 Hektar (ha) ausgedorrten Boden für die Landwirtschaft erschliessen wo Getreide, Trauben, Tomaten, etc angebaut werden. Ziel ist es zunächst den heimischen Bedarf zu decken, dies ist je nach Quelle und Produkt heute zu 50 bis 90% der Fall.

Great Man-Made River Projekt - die Wüste wird grün

Great Man-Made River Projekt - die Wüste wird grün (Klicken um zu vergrössern)

Im Jahre 2010 wartete Südafrika auf die Ratifizierung von Verträgen, die es südafrikanischen Farmern ermöglicht hätte unter anderem eine 40’000 ha grosse Olivenfarm und 3’600 Milchkühe zu übernehmen und zu bewirtschaften. Der Deal kam allerdings in Stocken, da Libyen ein Abkommen zur Investitionssicherung nicht unterzeichnete. (Quelle: Reuters-Englisch)

Ebenfalls im Jahre 2010 schloss Libyen einen Deal mit der Ukraine ab, in dem die Ukraine 100’000 ha Land pachtete und die Ukraine im Gegenzug Zusammenarbeit im Bereich der Nukleartechnologie versprach. (Quelle: Reuters-Englisch)

Ein weiterer Interessent könnte Qatar sein. Das arabische Land am Persischen Golf hatte im Jahr 2009 in Kenia investiert um ca. 100’000 acre (ca. 40’400 ha) Land zu pachten um darauf Gemüse und Früchte anzubauen und nach Qatar zu exportieren. Andere Interessenten aus dem Persischen Golf könnten sowohl Saudi Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate sein.
Wir erinnern uns: Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate haben beide an der Unterstützung der Rebellen in Libyen teilgenommen und Saudi Arabien drückte seine Unterstützung verbal aus, ohne jedoch mit Truppen einzugreifen (die werden zu Hause und in Bahrain gebraucht).
Und schliesslich dürfte Europa ebenso daran interessiert sein, wie die arabischen Golfstaaten.

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One thought on “Libyen und die Landwirtschaft

  1. Während am heutigen Tage in Berlin die Außenminister der NATO-Mitgliedsstaaten über eine mögliche Intensivierung ihrer Militäroperationen in Libyen diskuttieren, sprechen sich China, Brasilien, Indien, Russland und Südafrika während des in Peking parallel stattfindenden Brics-Treffens gegen eine weitere NATO-Einmischung in die innere Angelegenheiten in Nordafrika aus. Vielmehr wollen die Schwellenländer, dass die NATO die Bemühungen der Afrikanischen Union aktiv unterstützt. Wie dem auch sei – die internationale Staatengemeinschaft muss in Libyen Präsenz zeigen, um schlimmeres verhindern zu können, zumal Tunesien als Nachbarland unmittelbar von den Ereignissen in Libyen (z.B. Flüchtlingsströme, Arbeitsmigration, Radikalisierung etc.) abhängig ist: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.

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