Wer ist Bradley Manning?

Bradley Manning ist der junge Soldat der U.S. Armee, dem vorgeworfen wird, geheime Dokumente an Wikileaks weitergegeben zu haben. Seit Mai 2010 ist er nun in Haft gesetzt, in Einzelhaft, wohlgemerkt, und wartet auf seinen Prozess.

Von Beginn weg war ein ‚Mustergefangener‘, keine disziplinarischen Probleme, keine Gewaltausbrüche. Trotzdem wurde er zum “Maximum Custody Detainee” erklärt, der höchsten und repressivsten Stufe militärischer Inhaftierung.

Seit Beginn seiner Inhaftierung ist er in Einzelhaft, was bedeutet, dass es 23 von 24 Stunden isoliert in seiner Zelle verbringen muss. Aber sogar in seiner Zelle sind seine Aktivitäten eingeschränkt. Er kann zum Beispiel keine Fitnessübungen machen und steht unter ständiger Überwachung um die Einschränkungen durchzusetzen. Er hat weder Kissen noch Laken.

Lang andauernde Einzelhaft wird weltweit als höchst schädlich, inhuman, bestrafend und eine oft auch als eine Form der Folter angesehen.

In einem Artikel vom März 2010 schrieb das Journal of the American Academy of Psychatrie and the Law, dass “Einzelhaft ist bekanntermassen schwer auszuhalten; in der Tat können psychologische Stressfaktoren wie Isolation klinisch gesehen so erschütternd sein wie physische Folter”.

In einem äusserst lesenswerten Artikel  vom März 2009 schreibt The New Yorker, dass “alle menschlichen Wesen Isolation als Folter empfinden”.

John McCain schrieb über seine Erfahrungen mit Einzelhaft in Vietnam: “Einzelhaft ist eine schreckliche Sache. Es zerstört den Geist”. (Quelle: Salon-Englisch)

Bradley Manning früher - und jetzt (Klicken um zu vergrössern)

Bradley Manning früher - und jetzt (Klicken um zu vergrössern)

Bradley Manning muss noch andere Dinge über sich ergehen lassen, die man nicht anders als mit Erniedrigung erklären kann. So musste er sich nackt ausziehen und seine Kleider den Wachen übergeben, die nächsten sieben Stunden verbrachte er nackt in seiner Zelle, berichtet sein Anwalt. (Quelle: The Atlantic-Englisch)

Seit Bradley Manning auch noch unter ’suicide watch‘ gestellt, ihm also eine Selbstmordgefährdung attestiert wurde, wird er in seiner Zelle alle 5 Minuten kontrolliert.

Im April dieses Jahres haben 250 der angesehensten Rechtsprofessoren eine Protestbrief an Obama geschrieben, in dem die ‚entwürdigenden und inhumanen Bedingungen‘  als illegal, verfassungswidrig und allenfalls als Folter kritisiert wurden.

Unter den Unterzeichnern befand sich Laurence Tribe von der Harward Universität, der als die herausragendste liberale Persönlichkeit in Sachen Verfassungsrecht gilt. Er lehrt einst Obama Verfassungsrecht und unterstützte dessen Präsidentschaftskandidatur. (Quelle: The Guardian-Englisch)

Juan Mendez, der Spezialberichterstatter für Folter der UN, kritisierte die US Regierung scharf, da diese seine Versuche Manning zu besuchen bisher verhindert hat, mit den Worten: “Ich bin tief enttäuscht und frustriert von den Ausweichmanövern, welche die US Regierung in Bezug auf meine Versuche Mr. Manning zu besuchen, zeigt”.

Nach Mendez erlauben die grosse Mehrheit von Staaten Häftlingsbesuche ohne Bedingungen zu stellen, jedoch wolle die US Regierung keine ‚offizielle‘ sondern nur eine ‚private‘ Visite zulassen. Eine offizielle Visite findet ohne Wache, eine private mit Wache statt. Ebenso könnte alles was Manning sagt dabei vor Kriegsgericht gegen ihn verwendet werden. (Quelle: The Guardian-Englisch)

Da beklagen sich die USA bei jeder Gelegenheit über tatsächliche oder imaginäre Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern, sind aber selbst nicht Willens die Menschenrechte ihrer eigenen Bürger zu schützten.

Man kann allerdings von einem Land, dass gezielte Tötungen weltweit praktiziert nicht viel bezüglich Menschenrechten erwarten, sei es bezüglich der eigenen Bürger, oder von Menschen anderswo.

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