Europäische Kommission untersucht Markt für Credit Default Swaps

Die Meldung ist von gestern, ging aber in der Presse unter. Die Europäische Kommission untersucht den Markt für Credit Default Swaps. Aus dem Press Release:

Die Europäische Kommission hat im Bereich Credit Default Swaps zwei kartellrechtliche Prüfverfahren eingeleitet. Credit Default Swaps oder CDS sind Finanzinstrumente, die Anleger vor dem Risiko schützen sollen, dass ein Unternehmen oder ein Staat, in das bzw. den sie investiert haben, fällige Zahlungen nicht leistet. CDS sind auch Gegenstand spekulativer Geschäfte. Im ersten Verfahren prüft die Kommission, ob 16 Investmentbanken und Markit, der führende Anbieter von Finanzinformationen auf dem CDS‑Markt, verbotene Absprachen getroffen haben und/oder eine marktbeherrschende Stellung innehaben bzw. missbrauchen, um Finanzinformationen über CDS zu kontrollieren. Ein solches Verhalten würde im Falle des Nachweises gegen die Kartellvorschriften der EU verstoßen. Im zweiten Verfahren ermittelt die Kommission gegen neun dieser Banken sowie ICE Clear Europe als führender Clearing-Stelle für CDS. Geprüft werden soll insbesondere, ob die Vorzugssätze, die ICE den neun Banken einräumt, diese an das ICE‑System binden und dadurch andere Wettbewerber benachteiligen. Die Einleitung der Verfahren bedeutet, dass die Kommission diesen Fällen Priorität einräumt.

Die 16 im ersten Verfahren  betroffen Banken sind (Hervorhebungen sind von mir):

JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Commerzbank, Crédit Suisse First Boston, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland, UBS, Wells Fargo Bank/Wachovia, Crédit Agricole und Société Générale

Die 9 im zweiten Verfahren betroffendn Banken sind (Hervorhebungen sind von mir):

Bank of America Corporation, Barclays Bank plc, Citigroup Inc, Crédit Suisse Group AG, Deutsche Bank AG, Goldman Sachs Group, Inc., JP Morgan Chase & Co, Morgan Stanley und UBS AG

Betroffen ist im zweiten Verfahren auch ICE Clear Europe, der europäische Teil des clearing-house von ICE, welches zusammen mit NASDAQ OMX ein Konkurrenzübernahmeangebot zu jenem der Deutschen Börse für NYSE Euronext vorgelegt haben.

Die Geschichte der Firma, O-Ton ICE: ICE wurde im Mai 2000 von Jeffrey Sprecher gegründet, welcher auch heute noch Verwaltungsratsvorsitzender sowie CEO von ICE ist. Unter den Gründungsaktionären waren die grössten Energiefirmen (z.B. BP und Shell) und Banken der Welt (z.B. Goldman Sachs und Morgan Stanley). Erklärtes Ziel war den over-the-counter (OTC) Markt zu transformieren indem eine offener, zugänglicher und rund um die Uhr verfügbarer elektronischer Marktplatz geschaffen wurde. ICE Clear Europe wurde im November 2009 in London gestartet.

Ein Artikel in Businessweek aus dem Jahre 2010 beschreibt Jeffrey C. Sprecher als Sultan der Swaps. Im clearing Markt ist ICE, vor allem dank den CDS mittlerweile dominant geworden. Seit Gründung der Firma hat ICE in den USA und Europa für !0 Billionen Dollar das clearing gemacht. Zum Vergleich: Beim zweitgrössten Konkurrenten, CME Group, waren es nach BusinessWeek lediglich 192 Millionen Dollar (scheint mir allerdings ein bisschen wenig).

Während ICE durch die CDS im clearing Geschäft dominierend wurde, hatte die im ersten Verfahren genannte Firma, Markit Group, von Anfang an nur den Zweck das pricing für CDS zur Verfügung zu stellen. Heute bietet Markit ‘unabhängige Daten, Bewertungen und Handelsabwicklungen zu allen Anlageklassen’ an.

Wie CDS Manipulation aussehen kann (oder könnte) hat Deep Capture schon im November 2009 beschrieben (der Name Markit fällt im Artikel ebenfalls):

Obwohl sehr viel Aufmerksamkeit auf den Beitrag den Credit Default Swaps zur Finanzkrise beigetragen haben gelenkt wurde, konzentrierten sich die meisten Diskussionen auf Firmen wie American International Group (AIG), welche grosse Verluste einfuhren weil sie solche Instrumente verkauften ohne die nötigen Abklärungen zu treffen.

Eine andere Herangehensweise wurde nicht in Betracht gezogen, obwohl sie von gleicher und vielleicht grösserer Bedeutung ist. Diese Herangehensweise besteht darin, zu untersuchen, wie die Preise der credit default swaps den wahrgenommenen Wert aller Schulden – corporate bonds, commercial mortgages, home mortgages und collateralized debt obligation [und, obwohl nicht erwähnt auch sovereign debt, d.h. Staatschulden] – beinflussen und als Resultat davon die Möglichkeiten der Manipulatoren in Hedge Funds diese credit default swaps für ihre bear raids auf Firmen zu verwenden.

Wenn short seller die Preise für CDS manipulieren können, können sie auch die Firmen zu Fall bringen – oder deren Tätigkeiten massiv stören – deren Schulden mit credit default swaps versichert sind deren Preise manipuliert sind. Die Vorgehensweise sieht so aus: Finde eine Firma, welche auf verschiede Ebenen von Schulden angewiesen ist welche sowohl permanent sind, als auch periodisch erneuert werden muss (die meisten Finanzfirmen passen in diese Kategorie). Man short-selle dann diese Firma. Dann manipuliere man den Preis der CDS nach oben, vorzugsweise als Spitze, während man die Neuigkeiten des explodierenden CDS Preises verbreitet (vorzugsweise mit Hilfe von gefälligen Medien).

Weil die CDS im Grunde eine Versicherungspolice für die Schulden einer Firma darstellen, wird ein rasant ansteigender Preis für die CDS die Kreditoren dieser Firma dazu veranlassen den Zugang zu Krediten für dies Firma zu sperren. Wenn dies passiert, wird die Aktie der Firma in den Keller fallen und so den Zugang zu Eigenkapital. Die Firma, plötzlich des Zugangs zu Fremd- und Eigenkapital beraubt, kollabiert, und der Hedge Fund kassiert die Gewinne seiner short Positionen. [Anmerkung: Das geht auch mit Ländern, nicht nur mit Firmen]

Der Artikel ist deswegen interessant, weil er ein System und Vorgehensweise aufzeigt, das verdächtig so aussieht, wie jene, das man bei den CDS zu Staatschulden (z.B. für Griechenland) beobachten konnte. Die Methode funktioniert vermutlich am besten mit bereits angeschlagenen Firmen, kann aber auch gegenüber ursprünglich gesunden angewendet werden.

Im Zusammenhang mit CDS Manipulationen und ist dieser Clip des Max Keiser Reports sehenswert (der für diesen Artikel relevante Teil beginnt um 13:40, sehenswert ist aber das ganze Video):

Wie aus dem Keiser Report hervorgeht ist in Griechenland zu diesem Thema ein Straf-Klage hängig.

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