Lehren aus Fukuschima – Was?

Katastrophe vorbei, weitermachen! So könnte man in etwa die Nachrichten aus Japan zusammenfassen. Das merken wir an den Nachrichten die uns von dort erreichen: Die Lehren, die aus den (beinahe) Supergau gezogen werden, sind gleich null.

Erstes Beispiel: Wenn die Strahlungslimiten für die Arbeiter erreicht wurden, hebe man die Limiten einfach auf:

Das Gesundheitsministerium plant die jährlich Strahlendosis, die für Arbeiter in Kernenergieanlagen zulässig ist in normalen Zeiten vorübergehend aufzuheben um genügend Arbeiter für den Unterhalt und die Kontrolle der anderen Nuklearanlagen zur Verfügung zu haben.

Zweites Beispiel: Man nehme den gefährlichsten Reaktor wieder online

Chubu Electric Power Co. plant den Nuklearreaktor seines Werkes in Hamaoka neu zu starten sobald die periodische Kontrolle im Juli vorbei sein wird, sagte der Energieversorger am Donnerstag. Dies ungeachtet der zunehmenden Sorgen über die Sicherheit der Anlage als Folge des Unglücks in der Fukuschima Präfektur.

Drittes Beispiel: Man investiere weiterhin in Nukleartechnologie

Mitsubishi Heavy Industries Ltd. wird seinen Plan seine Geschäfte im Nuklearsektor bis 2014 auf 600 Milliarden Yen zu verdoppeln beibehalten und dies trotz der Krise bei der Fukuschima Daiichi Nuklearanlage, sagte Hdeaki Omiya, Präsident von Mitsubishi Heavy, am Donnerstag.

Der Reaktor No. 3 liegt mitten im Gebiet der erwarteten Tokai-Bebens (Klicken um zu vergrössern)

Der Reaktor No. 3 liegt mitten im Gebiet der erwarteten Tokai-Bebens (Klicken um zu vergrössern) Bildquelle: Asahi Shimbun

Insbesondere die Wiederinbetriebnahme des Reaktors No.3 in Hamaoka löst auch in Japan allgemeines Unverständnis aus. Chubu Electric Power bezeichnet den Reaktor – den einzigen von drei der noch in Betrieb ist – als sicher. Einem Tsunami soll mit deiner 10 bis 15 m hohen Sanddüne vorgebeugt werden, das soll einem bis zu 8.3 m hohen Tsunami Stand halten.

Hiroaki Koide, Assistenzprofessor für Nukleartechnik am Institut für Reaktorforschung der Universität Kyoto ist anderer Meinung.

“Es ist schwer zu glauben, dass (Chubu Electric) unter den gegebenen Umständen den Reaktor No. 3 wieder in Betrieb nehmen will. Die Anlage sitzt direkt auf einem aktiven Bruch welcher im erwarteten Tokai Erdbeben eine Rolle spielen könnte”, sagte er.

“Abgesehen vom erwarteten intensivem Schütteln und dem massiven Tsunami, könnte der Boden sich um 1 bis 2 Meter anheben. Es ist die gefährlichste Nuklearanlage der Welt. Alle ihre Reaktoren sollten heruntergefahren werden”.

Ein ernster Zwischenfall in der Hamaoka Nulearanlage hätte weit reichende Auswirkungen. Die Tokaido Schinkansen Linie sowie der Tomei Expressway – zwei Hauptverkehrsarterien auf Honschu – liegen nur 20 km von der Anlage entfernt. (Quelle: Asahi Shimbun-Englisch)

Situation des Reaktors No. 3 bei Hamaoka (Klicken um zu vergrössern)

Situation des Reaktors No. 3 bei Hamaoka (Klicken um zu vergrössern) Bildquelle: Asahi Shimbun

Ob die Anlage in Hamaoka nur schon dem erwarteten Stärke 8 Beben standhält ist fraglich, ganz zu schweigen einem allfälligen Tsunami.

Schwer zu überleben sein dürfte eine Anhebung des Geländes – und dies ist keine ungewöhnliche Erscheinung. Wie Forscher kürzlich festgestellt haben, hob sich der Meeresgrund vor Nordost-Japan um etwa sieben Meter an und  verschob sich 50 Meter in Richtung Südosten (Quelle: NHK-Englisch).

Hoffentlich haben TEPCO und Chubu die Anlagen wenigstens auf Böden gebaut, welche nicht zur Liquefaktion, d.h. Bodenverflüssigung, neigen. Das wäre dann definitv nicht mehr gut.

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