Zardari: Bin Laden Razzia keine gemeinsame Operation

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in einer Kolumne am Montag in der Washington Post:

Pakistan, möglicherweise das weltweit grösste Opfer von Terror, schliesst sich anderen Zielen des Al-Qaida Terrors – den Völkern der Vereinigten Staaten, Grossbritanniens, Spanien, Indonesiens, Afghanistans, der Türkei, Jemens, Kenias, Tansanias, Ägyptens, Saudi Arabiens und Algeriens – an, in unserer Befriedigung darüber, dass eine der grössten Quellen des Bösen des neuen Jahrtausends zum Schweigen gebracht wurde und seinen Opfern Gerechtigkeit widerfuhr. Er war nicht an einem Ort an dem wir ihn vermutet hätten, aber nun ist er weg.

Obwohl die Ereignisse vom Sonntag keine gemeinsame Operation waren, führte doch ein Jahrzehnt der Zusammenarbeit und der Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan zur Elimination von bin Laden als andauernde Bedrohung der zivilisierten Welt.

Zardaris Darstellung, es sei keine gemeinsame Operation gewesen, widersprechen aber anscheinend seine eigenen Regierungsbeamten, oder wie The Nation-Pakistan schreibt:

Etwa 200 Mitglieder der pakistanischen Armee stellten die Unterstützung am Boden sicher, sagten hochrangige Angehörige der Regierung. Während der Operation seien 4 Helikopter der pakistanischen Armee über dem festungsähnlichen Versteck des Al-Qaida Chefs geschwebt.

The Nation gibt auch noch weitere Details preis. So seien neben bin Laden seine acht Leibwächter, sieben ihm nahe stehende Assistenten und eine nicht näher spezifizierte Anzahl von Familienmitgliedern, einschliesslich ein junger Sohn, Kinder und zwei seiner Frauen getötet worden.  Bin Laden soll während sechs Jahren dort gelebt haben. Nach der Zeitung sei es auch ein pakistanischer Helikopter gewesen, der abgestürzt sei.

Übertreiben nun die hochrangigen Regierungsbeamten oder will sich Zardari von der Aktion distanzieren? Gegen Zardaris Version spricht, dass die Aktion unweit der Militärakademie der pakistanischen Armee stattfand. Schwer vorstellbar, dass US Helikopter dort eine Aktion durchführen können, ohne Unterstützung – oder zumindest Duldung – der pakistanischen Regierung und der Armee.

Schliesslich tat die Washington Post Zardari einen Gefallen indem sie ihm innerhalb nur weniger Stunden einen Platz für eine Kolumne zur Verfügung stellte. Offenbar hat er, obwohl von der Aktion überrascht – und überrascht muss er ja gewesen sein, wenn seine Regierung nicht involviert war –  gleich mal als erstes eine Kolumne für die Washington Post geschrieben. Image ist eben alles. Spin.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, die Aktion war schon länger geplant und in Vorbereitung und für die pakistanische Armee keine Überraschung, alle sind froh, dass bin Laden tot ist, auch Zardari, aber dazu stehen mag er nicht.

Er erwähnt auch seine von einem Terroristen getötete Frau, Benazir Bhutto:

Zweimal versuchte er [bin Laden] meine Frau zu ermorden. 1989 gab er 50 Millionen Dollar aus um sie in einer Misstrauensabstimmung zu stürzen. Sie sagte, sie sei bin Ladens schlimmster Albtraum – eine demokratische gewählte, fortschrittliche, gemässigte, pluralistische Anführerin. Sie hatte recht und hat dafür mit dem Leben bezahlt.

Zu dieser Bemerkung des – manchmal etwas zwielichtigen Zardaris – muss man einfach folgendes Video verlinken, in dem Benazir Bhutto in einem Interview mit Frost (BBC) im November 2007, behauptete, bin Laden sei tot und sogar den Namen seines Mörders nannte. Nicht mal zwei Monate später war sie tot.

Anmerkung: Benazir Bhutto soll sich nachträglich korrigiert haben, bin Laden sei nicht tot. Wie dem auch sei, interessant ist jedenfalls, dass sie Regierungsvertreter mit der Gewalt in Pakistan in Verbindung bringt. Gewalt, die ihrer Meinung nach ohne Duldung von Personen in ranghohen Stellungen nicht möglich wäre, meinte sie.

Hier ist das ganze Interview von Frost mit Benazir Bhutto:

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