Oberstes Gericht Indiens sistiert Ayodhya Urteil

Das Oberste Gericht Indiens sistierte heute Montag ein Urteil des High Court von Allahabad in welchem die Teilung des umstrittenen Lands in Ayodhya in drei Teile angeordnet wurde.

Das Oberste Gericht meinte, es sei “etwas seltsam” vom Allahabad High Court eine Teilung anzuordnen obwohl keine Partei dies verlangt habe. Die Teilung habe zu einem Wust von Gerichtsfällen geführt, meinte das Oberste Gericht.

(Quelle: Times of India-Englisch)

Worum geht es hier? Im Oktober 2010 kamen drei Richter des Allahabad High Courts zum Schluss, der Eigentumsstreit um Land, das sowohl von Hindus als auch von Moslems beansprucht wurde sei zu lösen, indem das Land aufgeteilt werde.

Die drei Richter entschieden 2:1, das Land sei zu gleichen Teilen zwischen dem Sunni Waqf Board, dem Nirmohi Akhara und Ram Lalla aufzuteilen.
Das Urteil ist über 8’000 Seiten lang und besteht eigentlich aus drei Teilen, den drei Meinungen der Richter. Sie finden die Zusammenfassungen der Positionen der Richer hier.

Der Ursprung des Konflikts geht auf das Jahr 1528 zurück als durch einen Befehl Baburs, dem ersten Mughal Kaiser Indiens die Babri Masjid gebaut wurde und zwar, wie die Hindus behaupten, auf den Ruinen eines ehemaligen Hindu-Tempels. Es ist jedoch umstritten ob für den Bau der Babri Masjid ein Tempel der Hindus zerstört wurde, oder ob dieser schon vorher zerfallen war. Zwei der Richter meinten, ja, es sei ein Hindu Tempel zerstört worden, während einer meinte, nein, dies sei nicht der Fall.

Die ersten Zusammenstösse wurden im Jahre 1853 gemeldet, was die Briten 1859 dazu bewog, einen Zaun rund um das Gelände zu ziehen und separate Gebiete für Hindus und Moslems auszuweisen, in denen diese ihren Glauben praktizieren konnten. Dieser Zustand blieb 90 Jahre bestehen.

Im Jahre 1949 stellten Hindus Statuen in die Moschee, was dazu führte, dass beide Seiten Zivilverfahren in Gang setzten. Die (indische) Regierung schloss die Tore ab und erklärte das Gelände als umstritten.

Ein Bezirksrichter verfügte 1986, dass die Tore wieder zu öffnen seien, damit die Hindus in ihrem Tempel, den sie 1984 auf dem Gelände errichtet hatten benutzen konnten.

Im Jahre 1992 zerstörte die BJP, welche zur grössten Oppositionspartei Indiens geworden war, die Babri Masjid. In der Folge kam es zu Unruhen, in deren Verlauf über 2000 Menschen, überwiegend Moslems, getötet wurden.

Das ist die Kurzversion, eine etwas detailiertere Timeline finden Sie hier.

Mehr Hintergrund:

Der Gerichtsfall, der hier entschieden wird, ist also jener aus dem Jahre 1949. Mit der Sistierung des Urteils des Allahabad High Courts ist der Fall allerdings noch nicht zu Ende.

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