Ogero Mobile und der Coup der libanesischen ISF

Vor einigen Wochen tauchte in Libanon ein bisher unbekanntes und wie sich herausstellte unlizenziertes und illegales Mobiles Netzwerk namens Ogero Mobile auf, wie Blogging Beirut berichtete.

Nun versuchte der Minister für Telekommunikation der Übergangsregierung, Scharbel Nahhas, der Sache auf den Grund zu gehen und stattete dem Telekommunkationsanlage in Adliyeh in Begleitung von einigen Direktoren des Ministeriums, sowie einigen Technikern, einen Besuch ab. Er fand jedoch das Gebäude bereits von den Internen Sicherheitskräften (ISF), der nationalen Polizei Libanons, besetzt, welche ihm und seinem Team den Zugang zum zweiten Stock, wo sich die Anlagen Ogero Mobiles befinden, verweigerte.

Die ISF wird von Aschraf Rifi geleitet und untersteht dem Innenministerium. Dessen Minister, Ziad Baroud, wusste anscheinend nichts davon un erliess einen Befehl, der die ISF anwies, das Gebäude zu verlassen, dem diese aber nicht folge leistete. Offenbar waren 400 bewaffnete Angehörige des ISF, in Uniform und in Zivil dafür abgestellt worden, dem Minister den Zugang zu verwehren. Nahhas nannte das Verhalten der ISF einen Coup und Baroud trat zurück.

Die Übergangsregierung ist die sich noch im Amt befindliche Regierung Saad Hariris, die vor ein paar Monaten nach dem Rücktritt einiger Minister die Oppositionsparteien angehörten, bis die Opposition eine eigene Regierung bilden kann.

Scharbel Nahhas gehört einer dieser Oppositionsparteien, dem Free Patriotic Movement (FPM), geleitet von Michel Aoun, an. Das FPM gehört zur Allianz des 8. März, zu der auch Hisbollah gehört. Aschraf Rifi hingegen steht der Allianz des 14. März nahe, dee das Future Movement von Saad Hariri vorsteht.

Die beiden Allianzen stehen sich nahezu unversöhnlich gegenüber.

Um dieses bisher unbekannte Mobile Netzwerk, das keine Kunden hat und gemäss Ogero im Testbetrieb sein soll, ranken sich natürlich bereits Gerüchte über dessen Zweck.

Angeblich soll das Netzwerk schon seit 2007 bestehen, gegründet mit ‘geschenkter’ Ausrüstung der chinesischen Regierung und mit Einverständnis des damaligen Kabinetts (unter Fouad Siniora, welcher eng mit den Hariris verbunden ist) und soll dazu gedient haben, Gespräche innerhalb Syriens abzuhören. Die Aktion der ISF sei eine Vertuschungsaktion gewesen, so Al Manar.

Die ISF, genauer Aschraf Rifi, stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass Nahhas das Netzwerk habe schliessen wollen und dies hätte die ‘Sicherheit des Libanons untergraben’, so Rifi. Nach Quellen von Naharnet habe der Generaldirektor von Ogero, Abdul Monem Youssef, die ISF um die Entsendung von Kräften gebeten um die Schliessung zu verhindern.

Ogero ist nicht der einzige libanesische Provider von mobilen Dienstleistungen, welcher in die Schlagzeilen gerät. Mitarbeiter von Alfa, hinter dem Orascom, eine Firma von Naguib Sawiri, steht, wurden der Spionage zugunsten Israels während des Krieges von 2006 angeklagt. Zwei wurden zum Tode verurteilt, einige andere flohen.

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