Geldmengen und Aktienindizes

Zwei relativ willkürlich aus den Financial Stability report der SNB herausgegriffene Grafiken:

Zunächst die weltweite Entwicklung der Aktienindizes:

Aktienmarkt- Indizes

Aktienmarkt- Indizes

und dann die kurzfristige Libor-Rate:

Kurzfristige Libor-Rate

Kurzfristige Libor-Rate

Es fällt auf, dass die Libor-Raten per Ende 2008/Anfang 2009 massiv gesunken sind, nämlich auf praktisch null für CHF, USD und JPY und auf etwa 1% für den Euro.

Praktisch gleichzeitig, nämlich Anfang 2009 begannen die Aktienindizes zu steigen. In den USA um etwa 80% (referenziert auf Stand 2009=100) und der Eurozone, sowie ca. 50% in der Schweiz.

Korrelation ist natürlich nicht gleich Kausation, aber könnte es am billigen Geld liegen, dass die Aktienmärkte so zugelegt haben?

Die Geldmengenentwicklung in der Schweiz ist aus folgender Grafik ersichtlich. M1 und M2 machen ebenfalls seit ca. Anfang 2009 einen deutlichen Sprung nach oben.

Entwicklung der M1, M2 und M3 Geldmengen in der Schweiz

Entwicklung der M1, M2 und M3 Geldmengen in der Schweiz

Worauf ist diese Zunahme zurückzuführen? Schauen wir uns die Geldmenge M0, auch monetäre Basis oder Notenbankgeldmenge genannt an. Wir stellen ebenfalls eine deutliche Zunahme gegen Ende 2008/Anfang 2009 fest. M0 sank zwar wieder, ist aber immer noch über 55% höher als Ende 2008, vor dem Anstieg. Das sind etwa die 5%, die der Aktienmarkt seither zugelegt hat. Zufall?

Geldmenge M0

Geldmenge M0

Für die USA sieht die Geldmenge M1 (entspricht in etwa der Geldmenge M1 der SNB):

M1 Geldmenge (M1 des Fed entspricht in etwa M0 der SNB)

M1 Geldmenge (M1 des Fed entspricht in etwa M0 der SNB)

Das ist allerdings ‘lediglich’ eine Zunahme von ca. 40%, während die Aktienindizes in dieser Zeit ca. 80% zulegten. Wo kommt der Rest dann her? Nun vielleicht muss man die Adjusted Monetary Base betrachten. Die sieht so aus:

Adjusted Monetary Base, St. Louis Fed

Adjusted Monetary Base, St. Louis Fed

Irgendwas wächst hier deutlich. Die Geldmenge M0, M1 und M2 sind es jedenfalls nicht – oder nicht in diesem Ausmass. Was ist aber mit M3? Die Zahl wird vom Fed seit 2006 nicht mehr separat ausgewiesen (die Daten werden zumindest nicht veröffentlicht). Dort ist aber das grosse Geld. M3 enthält nämlich:

Die Kategorie M3 der Geldmenge beinhaltet M2,  wie auch alle großen Termineinlagen, institutionellen Geldmarktfonds, kurzfristige Repo-Übereinkommen, zusammen mit anderen größeren liquide Mitteln.

Kurzfristige Repo-Übereinkommen (short-term repurchase agreements) vielleicht? Das NYFed sagt zu Repos:

The Fed uses repurchase agreements, also called “RPs” or “repos”, to make collateralized loans to primary dealers. In a reverse repo or “RRP”, the Fed borrows money from primary dealers. The typical term of these operations is overnight, but the Fed can conduct these operations with terms out to 65 business days. 

Es scheint nicht abwegig, dass die Repos hier eine Rolle spielen.

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