Gewaltausbruch in Karachi – Unruhen dauern an

Unruhen in Karachi - beschossener Bus

Unruhen in Karachi - beschossener Bus

In Unruhen, die vor vier Tagen begannen, sind bisher ca. 80 Menschen getötet und über 100 verletzt worden. Am Donnerstag wurden die Passagiere von zwei Bussen in Orangi Town (A) und Baldia Town (B) Opfer einer Schiesserei. In anderen Teilen der Stadt wurden 8 Fahrzeuge, 5 Häuser und eine Fabrik angezündet. Die Gebiete Orangi (A), Baldia (B), Saeedabad (C), North Karachi (D), Gulshan-e-Iqbal (E), Gulistan-e-Juhar (F), Surjani (G) und andere Teile von Karachi präsentieren sich zur Zeit wie ein Schlachtfeld. Intensives Schiessen und Granatfeuer führte dazu, dass dutzende von Einwohnern in ihren Wohnungen getötet oder verletzt wurden.

In Orangi liefern sich Kriminelle, die angeblich von den rivalisierenden Parteien Muttahida Qaumi Movement (MQM) und Awami National Party (ANP) unterstützt werden Gefechte.

Karte mit einigen der Orte der Unruhen in Karachi

Karte mit einigen der Orte der Unruhen in Karachi

Die Polizei und die Rangers hielten sich von den betroffenen Gebieten fern. Inzwischen ist der Innenminister Pakistans, Rehman Malik, in Karachi eingetroffen, und meinte zu Reportern am Quaid-i-Azzam Internationalen Flughafen: “Ich will es deutlich sagen, dass keine Operation geplant ist. Jedoch werden gezielte Aktionen in den betroffenen Gebieten stattfinden und dazu habe ich die Stationierung von 1’000 Soldaten der FC (d.h. Frontier Constabulary) angeordnet um Gesetz und Ordnung wieder herzustellen”.

Die Muttahida Qaumi Movement (MQM) kündigte am Donnerstag an, am Freitag einen landesweiten Tag der Trauer für die während der anhaltenden Unruhen getöteten abhalten zu wollen und forderte  die Menschen auf, schwarze Armbinden zu tragen und schwarze Flaggen zu hissen um gegen die Tötung unschuldiger zu protestieren.

MQM verurteilte die Attacke von “bewaffneten Terroristen” auf Urdu-sprechenden Bus-Passagiere in Qasba Colony, Orangi Town und North Nazimabad.

 

(Quellen: Verschiedene Zeitungen Pakistans)

In Qasba leben Mujahir, die oben genannten ‚Urdu-sprechenden‘, sowie auch Pashtunen, die während des Afghanisch-Sowjetischen Krieges aus Afghanistan flohen und sich hier niederliessen.

Qasba und Orangi waren schon 1986 Ort von gezielten Tötungen aufgrund der Herkunft, Opfer waren auch damals die Mujahir. Das morden, verstümmeln und vergewaltigen wurde damals jedoch von der pakistanischen Regierung ausgelöst – und einige sagen auch gebilligt – die einen Polizeieinsatz der Sicherheitskräfte von Sindh anordnete, der sich gegen Drogenhändler, illegale Landbesetzer und Kriminelle richtete.

Das scheinen damals vorwiegend Pashtunen aus Afghanistan gewesen zu sein, welche sich auch sogleich als Gruppe angegriffen fühlte und mit Gewalt reagierte und dabei von ‚einer politischen Partei mit Ursprung in Mardan‘ unterstüzt – um nicht zu sagen aufgehetzt wurden.

Am 15. Dezember 1984 fielen gewaltbereite Element über die Mujahir in Qasba Aligarh her – Resultat: Über 400 Tote und Verletzte.

Die Sicherheitskräfte glänzten auch da schon durch Abwesenheit. Eine in Qasba stationierte Armeeeinheit wurde nur Stunden vor dem Massaker zurückgezogen.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse, die zu den Morden, Verstümmelungen und Vergewaltigungen von damals führten, finden Sie hier.

MQM vertritt die Mujahirs, während die ANP bei den Pashtunen sehr stark ist. Die Probleme, deren Ursachen und die Methoden von damals scheinen denen von heute nicht unähnlich zu sein.

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