Zwei Attentate in Quetta kosten 18 Menschen das Leben

Bei einem Anschlag in Quetta sterben 11 Menschen (Bildquelle: The Nation Pakistan)

Bei einem Anschlag in Quetta sterben 11 Menschen (Bildquelle: The Nation Pakistan)

Am Freitag wurden 7 Menschen, die an einer Bushaltestelle in Quetta auf einen Bus warteten, erschossen. Nach Augenzeugenberichten haben vier Angreifer die Wartenden beschossen. Dabei seien sieben Menschen getötet und zwölf verletzt worden. Vier der getöteten sind Schiitische Pilger und einer ist iranischer Staatsbürger, alle warteten auf einen Bus der sie an die iranische Grenze bringen sollte. Die shiitische Pilger stammten aus dem Punjab. Für diesen Anschlag übernahm Lashkar-e Jangvi die Verantwortung.

Heute Samstag Vormittag starben bei einem ähnlichen Anschlag 11 Menschen, darunter eine Frau, und drei wurden verletzt. Nach Augenzeugen haben zwei Angreifer aus einem Auto heraus das Feuer auf einen Suzuki Van und eine Rikschas eröffnet. Dabei seien 11 Menschen, die sich auf dem Weg zur Arbeit befanden, getötet worden. Nach der Polizei waren alle getöteten Schiiten und gehörten den Hazara an.

Bisher hat sich keine Gruppe zu der Tat bekannt.

(Quelle: The Nation Pakistan-English, The Express Tribune-English, Daily Pakistan-Urdu)

Die Schiiten und speziell die Hazara werden öfter Ziel von Anschlägen von wahhabitisch beeinflussten Gruppierungen, wie den Taliban, Sepah-e Sahaba, Lashkar-e Janghvi oder Jaish Mohammed. Verfolgt werden sie aber schon länger, denn sie sind nicht nur Schiiten, sondern sehen meist anders aus – sie sind teilweise mongolischer Abstammung.  Der National Geographic hat den Hazara im Februar 2008 einen längeren lesenswerten Artikel unter dem Titel ‘The Outsiders‘ gewidmet.

Die Leiden der Hazaras sind gut dokumentiert. Ein besonders grausames Ereignis spielte sich im August 1998 in Mazar-e Sharif ab, als die Taliban die Stadt eroberten und in einer mehrtägigen Tötungsorgie ca. 8’000 Zivlisten massakrierten, darunter viele Hazara. Eine detalierte Schilderung lieferte 1998 die Sunday Times.

Human Rights Watch dokumentierte damals die gezielte Hetze und Gewalt gegen Hazaras und zitierte Mullah Manon Niazi wie folgt:

 “Hazaras are not Muslim, they are Shi’a. They are kofr [infidels]. The Hazaras killed our force here, and now we have to kill Hazaras.” Although he reportedly stated, “We are not here for revenge. What has happened has happened,” he told Hazaras that “If you do not show your loyalty, we will burn your houses, and we will kill you. You either accept to be Muslims or leave Afghanistan.” In another speech he warned Hazaras that “wherever you go we will catch you. If you go up, we will pull you down by your feet; if you hide below, we will pull you up by your hair.” 

Die Nordallianz verlangte im Dezember 2001 verschiedene Führer der Taliban seien wegen Kriegsverbrechen und ethnischer Säuberung anzuklagen. Sie nannten neben Mullah Manon Niazi auch Mullah Mohammed Omar. Daraus wurde offenbar nichts.

Bei den Hazaras in Pakistan handelt es sich teilweise um Flüchtlinge aus Afghanistan und teilweise um einheimische Hazara, die schon seit Generationen dort leben. Die meisten Hazara leben in Quetta, Balochistan. In Pakistan leben ca. 900’000 Hazaras. In Afghanistan selbst leben ca. 3 Millionen Hazaras. (Zahlen sind von Wikipedia).

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Hazara Diasporas gibt es auch im Iran (ca. 1,3 Millionen) oder, allerdings eine viel kleinere, in Norwegen.

Am 25. Juli 2011 versammelten sich 250 Hazara Männer, Frauen und Kinder im Zentrum von Oslo um an den Trauerfeiern der Norweger teilzunehmen (siehe Bild rechts).

Wie das Hazara Network schreibt: “Das Volk der Hazara war immer schon selbst Opfer von Terrorismus in Afghanistan, sie können deshalb sehr gut nachfühlen, welche Gefühle das norwegische Volk im Moment hat”.

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