Gewalt in Ost-Turkestan: Verworrene Geschichten schwirren durch die Medien

Flagge des unabhängigen Ost-Turkestan

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Die Beschreibungen des Vorfalls – oder besser der Vorfälle, denn mittlerweile wird von zwei gesprochen – ist alles andere als klar.

So sollen bei dem einen Vorfall zwei Angreifer einen Bus – nach anderen Quellen einen Lastwagen – entwendet, dessen Fahrer getötet haben, oder auch nicht und damit in eine Menschenmenge gefahren sein und danach Leute zu Tode gehackt haben. Times of India schreibt von einem Bus, der später im Artikel dann zum Truck wird. Die Anzahl der Opfer bei diesem Vorfall wird nichts erwähnt.

In einem zweiten Vorfall sollen eine nicht genannte Zahl von Angreifern (zuerst fünf dann vier wurden nach Xinhua jedenfalls erschossen) ein Restaurant überfallen, es in Brand gesetzt und Leute zu Tode gehackt haben.

Wie das auch passiert ist oder passiert sein soll, es sollen jedenfalls 19/14/6 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter auch etliche angebliche Attentäter.

In einer Meldung ist von einer Explosion mit drei Toten die Rede, die Meldung geht aber später verloren, respektive wird zum brennenden Restaurant ohne Bombe, der wie Xinhua am 31. Juli 2011 schrieb (Quelle: Xinhua-English):

KASHI, Xinjiang, July 31 (Xinhua) — Three people, including a police officer, were killed in a blast in downtown Kashi, also known as Kashgar, northwest China’s Xinjiang Uygur Autonomous Region on Sunday afternoon.

Three others were injured, local police said.

Police have nabbed two suspects.

The blast happened at about 4:30 p.m.. Fire-fighters, police and ambulances are rushing to the scene.

In einer Meldung von heute beschreibt die chinesische Nachrichtenagentur die Erreignisse vom Wochenende etwas anders, nämlich so (Quelle: Xinhua-English):

On Saturday night, two people in Kashgar, an oasis city in the southern part of Xinjiang, hijacked a truck after killing the driver and drove it into a crowded street. The suspects then jumped out of the truck wielding knives and hacked bystanders randomly.

Sunday afternoon saw a second attack in the city, when six civilians were killed, 15 others — including three policemen — were injured after the attackers set fire to a restaurant and started randomly attacking civilians with knives.

Police shot dead five suspects on Sunday and two on Monday in relation to the attacks. 

Von einem Bombenanschlag ist da nicht mir die Rede, sondern von einem absichtlich gelegten Feuer in einem Restaurant.

Die Vorfälle waren angeblich Samstag und am Sonntag, die ‘Verdächtigen’ wurden aber am Sonntag und Montag erschossen? Hhm.

Was nach offiziellen chinesischen Kreisen jedenfalls klar ist und ohne Zweifel feststeht, ist dass es sich um muslimische Terroristen des “East Turkistan Islamic Movement” ETIM handelt, denen in Pakistan beigebracht worden sein soll, wie man Bomben baut.

Nach Dawn wurden die zwei flüchtigen, nach denen gefahndet wurde heute erschossen, womit die Opferzahl  auf 21 ansteige. 13 davon seien Zivilisten und 8 Attentäter, gewesen, so Dawn weiter.

Warum ausgebildete Bombenbauer mit Lastwagen Leute überfahren oder Messern mit Messern auf diese losgehen, wo sie doch aus sicherer Entfernung in die Luft sprengen könnten, wird einem bei der Lektüre von Xinhua und den anderen Medien auch nicht plausibel gemacht.

Man kann deshalb spekulieren, der Vorfall habe weniger mit Terrorismus und mehr mit der Frustration und Verzweiflung der uigurischen Bevölkerung zu tun, die im eigenen Land nichts mehr gilt und zu Menschen zweiter Klasse gemacht wurden.

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