Sichtguthaben bei der SNB und ihr Einfluss auf die Geldmenge

Die SNB will mit der Erhöhung der Sichtguthaben (auch Giroguthaben) der Banken bei der SNB und Devisenswaps (auch Foreign Exchange oder Forex Swaps) gegen die Stärke des Frankens intervenieren.

Was aber sind Sichtguthaben der Banken bei der SNB?

Im SNB Glossar sind die Giroguthaben so erklärt (Hervorhebung sind von mir):

Giroguthaben sind unverzinsliche Sichtguthaben von inländischen Geschäftsbanken bei der Nationalbank. Die Nachfrage der Geschäftsbanken nach Giroguthaben stammt aus den gesetzlichen Liquiditätsvorschriften und aus dem Bedarf nach Arbeitsguthaben im bargeldlosen Zahlungsverkehr zwischen den Banken (SIC). Die Nationalbank kontrolliert das Angebot an Giroguthaben durch den Einsatz der geldpolitischen Instrumente und steuert damit die Liquidität des Bankensystems. Der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage an Giroguthaben findet am Markt für Tagesgeld statt.

Die Girokonti der Banken bei der SNB dienen also zwei Zielen. Zum einen wird die Interbank-Liquidität sichergestellt. Banken begleichen so Verbindlichkeiten untereinander. Zum anderen sind sie aber auch an die Reserven anrechenbar, welche eine Bank halten muss.

Per 5. August 2011 stellt sich die Situation nach den Zahlen der SNB so dar:

Grafik 1 - Giroguthaben der Banken bei der SNB, Stand 5.8.2011

Grafik 1 - Giroguthaben der Banken bei der SNB, Stand 5.8.2011

Seit Juni 2010 haben sich die Mindestreserven und Giroguthaben so entwickelt:

Grafik 2 - Die Entwicklung der Giroguthaben der Banken bei der SNB seit 2010

Grafik 2 - Die Entwicklung der Giroguthaben der Banken bei der SNB seit 2010

Das war vor der Ankündigung der Erhöhung auf zunächst 80 und nun 120 Millarden. Es wird also eine Vervierfachung der Girokonti angestrebt.

Nun sollen die Giroguthaben der Banken bei der SNB um 90 Milliarden auf 120 Milliarden CHF aufgestockt werden.

Das ist aber nicht alles Geld, das in Umlauf kommen wird. Alles Geld, welches eine Bank über die Mindestreserven (MR) hinaus bei der SNB deponiert, ist als Überschussreserve (ÜR) ‘totes’ Geld, d.h. es bringt keine Erträge. Die Banken können das Problem so lösen: Sie vergeben Kredite.

Als vereinfachendes Beispiel greife ich auf das Beispiel in Werk ‘Geld und Kredit’ von Manfred Borchert, Seite 67 ff. zurück, welches über Google Books verfügbar ist (siehe Quelle und Link am Ende des Posts).

Nehmen wir die Geschäftsbank 1 (Gbk1), deren Nichtbankkunde 1 (Nbk1) ein Konto bei ihr führt und darauf 100 CHF eingezahlt hat.

Zum Zeitpunkt t=0 sieht die Bilanz von Gbk1 so aus:

Die Schaffung von Kredit durch die Banken

Die Schaffung von Kredit durch die Banken

Wir nehmen an, die Mindestreserven, liegen bei 10%. Gbk1 muss demnach lediglich 10 CHF einbehalten. Die CHF 90 sind Überschussreserven, die keinen Zins bringen.

Im Extremfall kann die Gbk1 die gesamten CHF 90  gewinnbringend anlegen und vergibt dazu solange Kredite an einen anderen Kunden (hier an Nbk2), bis die ursprüngliche Überschussreserve (ÜR) genau der Minestreserve (MR) entspricht.

Die Bilanz von Gbk1 zum Zeitpunkt t=1 sieht danach so aus:

Schaffung von Kredit durch die Banken

Schaffung von Kredit durch die Banken

Die Girokonti gehören zur Geldmenge M1, die Kredite zu Geldmenge M3. Die SNB misst das Verhältnis vom M1 zu M3, genannt M3 Money Multiplier. Er lag im 1. Quartal 2011 leicht unter 10:

Grafik 3 - Der M3 Money Multiplier, Stand 1. Quartal 2011, Quelle SNB

Grafik 3 - Der M3 Money Multiplier, Stand 1. Quartal 2011, Quelle SNB

Da die Banken ihre Mindestreservenanforderungen bereits mehr als erfüllen (siehe Grafik 2), könnte im Extremfall die Erhöhung der Giroguthaben um 90 Milliarden fast 900 Milliarden Liquidität in den Markt spülen.

Es dürfte allerdings deutlich weniger sein, da die Banken im gegenwärtigen Börsenumfeld genügend Reserven einbehalten müssen um für allfällige Abschreiber gewappnet zu sein.

Die Massnahme der SNB stellt also in erster Linie die Interbanken-Liquidität sicher und hebt die Reserven der Banken an, damit diese Abschreiber besser verkraften können. In zweiter Linie führt sie zur Schaffung von weiterem Geld durch die Banken durch Kredite. In welchem Masse und wie die Banken dieses zusätzliche Geld nutzen bleibt abzuwarten.

Ein direkter Effekt auf die EURCHF, oder USDCHF Wechselkurse ist – zumindest für mich – nicht sofort ersichtlich. Ein indirekter hingegen schon: Dadurch das soviel Geld im Umlauf gebracht wird, steigt das Risiko, dass die Banken faule Kredite vergeben. Das Risiko von zukünftigen Abschreibern könnte dadurch zunehmen. Das erhöht natürlich das Risiko und macht auch den CHF in den Augen der Investoren weniger sicher und damit weniger attraktiv.

Aber vielleicht übersehe ich ja auch etwas.

(Quelle: SNB-Deutsch, Geld und Kredit, 8. Auflage, Manfred Borchert, Oldenburg Verlag)

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