Die Opfer des CIA Drohnenkrieges in Pakistan

Drohen feuert Raketen abIn einer neuen umfassenden Untersuchung hat The Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) die Informationen über die Anzahl der Drohnenangriffe und deren Opfer in Pakistan gesammelt und ausgewertet.

Die Studie beruht auf der Analyse von glaubwürdigem Material inklusive ca 2’000 Medienberichten, Aussagen von Zeugen, Bericht vor Ort von NGOs und Anwälten, geheimen Telegrammen der U.S. Regierung, durchgesickerten Dokumenten der Geheimdienste und die Sache betreffenden Aussagen von Journalisten, Politikern und früheren Beamten der Nachrichtendienste.

Die Schüsselfakten des TBIJ Berichts:

  • In Pakistan fanden 291 Drohnenangriffe statt – das sind 8% mehr als bisher gemeldet. Davon fanden 236 während der Regierung Obama statt – also einer aller vier Tage;
  • Zwischen 2’292 und 2’863 Menschen wurden bei den Angriffen getötet – das sind 40% mehr als früher gemeldet;
  • 126 davon waren namentlich bekannte Militante;
  • Nach glaubwürdigen Meldungen sind zwischen 385 bis 775 der Toten Zivilisten;
  • Weiter kamen 164 Kinder bei den Drohnenangriffen ums Leben; und
  • Mindestens 1’114 Menschen wurden bei diesen Angriffen verletzt

Soweit die Zahlen.

Die Interpretation des Bureau ist allerdings ein wenig eigen, kommt es doch zum Schluss ‘die meisten getöteten seien Militante gewesen’. Das geht allerdings aus den vom Bureau gelieferten Fakten nicht hervor.

Schauen wir die Zahlen etwas genauer an und nehmen die für die U.S.A. günstigsten Opferzahlen:

Von den 2’292 Toten sind 126 namentlich bekannte Militante und im günstigsten Fall 385 Zivilisten (inkl. 164 Kinder). Von den restlichen 1781 weiss man offenbar nicht, ob sie den Militanten zuzurechnen sind oder nicht, sonst während sie in der Kategorie ‘namentlich bekannte Militante’ gelandet. Nun alle diese zu den Militanten zu rechnen ist nicht nur irreführend sondern auch statistisch unzulässig.

Wir wissen aus anderen Berichten, dass die Rate zwischen gefangenen Taliban und gefangenen Zivilisten bei 1:9 liegt. Anders gesagt, in Afghanistan waren 90% der gefangenen Taliban keine Taliban sondern Zivilisten – soviel zur angeblichen Präzision und Genauigkeit der U.S.  Informationen.

Bei den Toten ist das Verhältnis von Zivilisten zu Taliban nicht bekannt, man kann sie ja auch nicht mehr Befragen. Es gibt allerdings keinen Grund anzunehmen, dass das Verhältnis anders ist. Man kann im Gegenteil davon ausgehen diese liege ebenfalls bei 90% Zivilisten und 10% Taliban.

Wir können aus den TBIJ Zahlen also wirklich nur folgendes schliessen:

Verhältnis getöteten Zivilisten zu getöteten Militanten - nach Zahlen TBIJ

Verhältnis getöteten Zivilisten zu getöteten Militanten - nach Zahlen TBIJ

Von 2’292 Toten sind 126 Militante (5.5%), 385 Zivilisten (17%) und 1781 mit unklaren Status (77.5%).

Von den 385 Zivilisten sind 164 Kinder (7.2%). Es sind also mehr Kinder als Militante durch die Drohnenangriffe ums Leben gekommen.

In den Pressemeldungen zu den Drohnenangriffen steht oft ‘vermutete Militante’ (suspected militants) seien getötet worden – mit anderen Worten, man kennt den Status der Getöteten oft nicht, zählt sie aber mal vorsorglich zu den Militanten. Auch die ist irreführend.

Offenbar wissen die U.S.A. auch nicht immer, wieviele Menschen sie nun getötet haben, aber sie wissen mit Sicherheit, dass alle davon Militante gewesen.

Wenn man die Zahlen schon interpretiert, dann muss man berücksichtigen, was man über den ‘Wirkungsgrad’ bisher weiss und dann kommt man auf dieses:

Von lediglich 126 der Getöteten ist bekannt, dass sie Extremisten waren und sogar das kann man bestreiten, weil es lediglich die Informationen der U.S.A. wiedergibt und ob diese wirklich stimmen, wissen wir nicht. Nehmen wir aber mal an sie stimmen. Demnach sind lediglich 5.5% der Toten tatsächlich Extremisten – 94,5% sind es erstmal nicht.

Anzahl Tote durch CIA Drohnenangriffe in Pakistan Annahme

Verhältnis getöteten Zivilisten zu getöteten Militanten - Annahme

Nimmt man nun an, von den 1’781 bei denen die Zuordnung unklar ist, seien ebenfalls 5,5% tatsächlich Militante kommt man auf 98 Militante.

Das sind dann insgesamt 224 tote Militante oder ca 10% aller Toten – wir zählen aber immer noch 90% tote Zivilisten.

Das würde mit den Zahlen die uns bereist aus Afghanistan bekannt sind übereinstimmen.

Das sind auf jeden Fall erschreckende Zahlen und stimmen natürlich überhaupt nicht mit den Informationen überein welche die U.S.A. verbreiten.

Nach ‘Schätzungen’ der U.S. Regierung sind bei den Drohnenangriffen 2’050 Menschen getötet worden, 50 davon seien Zivilisten gewesen.

Die Schläge werden von einem Geheimdienst, dem CIA, ausgeführt, nicht von der Armee. Sie sind also nicht als Opfer von Kriegs- oder Kampfhandlungen zu betrachten, sondern müssen als aussergerichtlichen Hinrichtungen (extrajudicial executions) im Auftrag des Präsidenten der U.S.A. eingestuft werden.

Hier werden Menschen auf Verdacht oder Anschuldigung einer Behörde/Person hin, ohne Beweise und ohne rechtsstaatliches Verfahren, hingerichtet.

Man kann dies auch als staatlichen Terrorismus bezeichnen.

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