Quote stuffing und HFT

Ich möchte auf meinen Post ‚Nanex: HFT ist ausser Kontrolle‚ zurückkommen. Insbesondere Grafik 2 bedarf einer Erläuterung.

Die Grafik 2 und der Text dazu:

Grafik 2 – Verhältnis der Angebote pro Abschluss (Auf Grafik klicken für hochauflösende Version):

Das höchste Wert für das Verhältnis wurde am 16. August 2011 erreicht (siehe die rote, scharfe Spitze in der Mitte der Grafik), als der Markt wegen der schockierenden Nachricht, eine Transaktionssteuer sei möglich, einen Tobsuchtsanfall bekam. Wir scherzen nicht.

Die Grafik zeigt auf, wie viele Angebote (Quotes) einem Abschluss (Trade) gegenüber stehen. In einem normalen Umfeld würde man erwarten, dass diese Zahlen nahe beieinander liegen, denn wer ein Angebot mach, will normalerweise auch einen Abschluss tätigen.

Wie man aus der Grafik sieht, war dieses Verhältnis im Jahre 2007 bei ca. 20 Quotes/sec pro Trade, heute liegt es bei ca. 45 Quotes/sec für einen Trade. Das ist allerdings ein Durchscnittswert, Nanex hat schon Fälle gefunden, in denen 5’000 Quotes/sec für eine Aktie abgebeben wurden.

Woran liegt das? Die Antwort heisst Quote Stuffing, welche Investopedia so definiert:

A tactic of quickly entering and withdrawing large orders in an attempt to flood the market with quotes that competitors have to process, thus causing them to lose their competitive edge in high frequency trading. This tactic is made possible by high-frequency trading programs that can execute market actions with incredible speed. Only market makers and other large players in the market are capable of executing these tactics, since they require a direct link to the exchange in order to be effective.

Solche Angebote sind gar nicht dazu bestimmt, zu Abschlüssen zu führen, sondern sollen lediglich die Mitbewerber mit weniger Ressourcen, Rechenleistung und langsameren Links überschwemmen.

Diese Taktik kann auch zu Preisbewegungen und zu sogenannten flash-crashes führen. Wie das geschieht, ist ein Thema für sich, das sich hervorragend für einen weiteren Post eignet.

Grundsätzlich handelt es sich bei Quote Stuffing um Lärm, der das eigentliche Signal (die legitimen Angebote, die auch wirklich einen Abschluss wollen) verdecken soll. Natürlich wird so die Preisfindung (price discovery) erschwert.

Der Preis der für eine Aktie an der Börse ausgewiesen wird, ist also nicht auf tatsächliches Interesse oder Desintresse, sondern – mindestens teilweise – auf diese unsinnige Praxis, zurückzuführen.

HFT Quote Stuffing ist ökonomisch wertloses Rauschen in der Leitung, möchte man sagen.

Man beachte auch den signifikanten Einbruch dieser Quotes/Trade Rate gegen 15:50 (Börsenschluss an der NYSE u.a. Börsen in Nordamerika ist 16:00).

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