Gebühr auf CHF Einlagen bei der UBS, Credit Suisse?

Oops, was war das?

Der Schweizer Franken hat sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US Dollar an Wert eingebüsst.

Das war ein ziemlicher Sprung zwischen 14:00 und 15:00 GMT.

Was ist passiert?

Wie es scheint, ist die Ursache dieses Sprungs eine Meldung, dass die UBS plane in Kürze eine vorübergehende Gebühr auf Einlagen in CHF zu erheben.

Man wolle so die Kunden ermuntern, die Einlagen in CHF so lange als möglich auf ihrem Konto zu belassen, so die UBS.

Die SNB hat dementiert den Banken UBS und Credit Suisse einen Brief gesandt zu haben, indem diese aufgefordert werden, eine solche Gebühr zu erheben.

(Quelle: ZeroHedge-English, WSJ-English, Bildquelle: ForexRealm)

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Quote stuffing und HFT

Ich möchte auf meinen Post ‘Nanex: HFT ist ausser Kontrolle‘ zurückkommen. Insbesondere Grafik 2 bedarf einer Erläuterung.

Die Grafik 2 und der Text dazu:

Grafik 2 – Verhältnis der Angebote pro Abschluss (Auf Grafik klicken für hochauflösende Version):

Das höchste Wert für das Verhältnis wurde am 16. August 2011 erreicht (siehe die rote, scharfe Spitze in der Mitte der Grafik), als der Markt wegen der schockierenden Nachricht, eine Transaktionssteuer sei möglich, einen Tobsuchtsanfall bekam. Wir scherzen nicht.

Die Grafik zeigt auf, wie viele Angebote (Quotes) einem Abschluss (Trade) gegenüber stehen. In einem normalen Umfeld würde man erwarten, dass diese Zahlen nahe beieinander liegen, denn wer ein Angebot mach, will normalerweise auch einen Abschluss tätigen.

Wie man aus der Grafik sieht, war dieses Verhältnis im Jahre 2007 bei ca. 20 Quotes/sec pro Trade, heute liegt es bei ca. 45 Quotes/sec für einen Trade. Das ist allerdings ein Durchscnittswert, Nanex hat schon Fälle gefunden, in denen 5’000 Quotes/sec für eine Aktie abgebeben wurden.

Woran liegt das? Die Antwort heisst Quote Stuffing, welche Investopedia so definiert:

A tactic of quickly entering and withdrawing large orders in an attempt to flood the market with quotes that competitors have to process, thus causing them to lose their competitive edge in high frequency trading. This tactic is made possible by high-frequency trading programs that can execute market actions with incredible speed. Only market makers and other large players in the market are capable of executing these tactics, since they require a direct link to the exchange in order to be effective.

Solche Angebote sind gar nicht dazu bestimmt, zu Abschlüssen zu führen, sondern sollen lediglich die Mitbewerber mit weniger Ressourcen, Rechenleistung und langsameren Links überschwemmen.

Diese Taktik kann auch zu Preisbewegungen und zu sogenannten flash-crashes führen. Wie das geschieht, ist ein Thema für sich, das sich hervorragend für einen weiteren Post eignet.

Grundsätzlich handelt es sich bei Quote Stuffing um Lärm, der das eigentliche Signal (die legitimen Angebote, die auch wirklich einen Abschluss wollen) verdecken soll. Natürlich wird so die Preisfindung (price discovery) erschwert.

Der Preis der für eine Aktie an der Börse ausgewiesen wird, ist also nicht auf tatsächliches Interesse oder Desintresse, sondern – mindestens teilweise – auf diese unsinnige Praxis, zurückzuführen.

HFT Quote Stuffing ist ökonomisch wertloses Rauschen in der Leitung, möchte man sagen.

Man beachte auch den signifikanten Einbruch dieser Quotes/Trade Rate gegen 15:50 (Börsenschluss an der NYSE u.a. Börsen in Nordamerika ist 16:00).

Fed und SNB gehen Swap über 200 Mio Dollar ein

Wir erinnern uns: Die (vorerst) letzte Ankündigung der SNB weitere Massnahmen gegen den starken Franken unternehmen und dazu Devisenswaps eingehen zu wollen stammt vom 17. August 2011. Ob das wohl einer davon ist?

Vermutlich nicht, denn das NY Fed sagt auf seiner Website über den Zweck dieser Swaps:

These swap facilities respond to the re-emergence of strains in short term funding markets in Europe. They are designed to improve liquidity conditions in global money markets and to minimize the risk that strains abroad could spread to U.S. markets, by providing foreign central banks with the capacity to deliver U.S. dollar funding to institutions in their jurisdictions.

Der Zweck dieser Swaps deutet demnach eher auf Probleme von gewissen Institutionen in der Schweiz sich Dollar zu beschaffen hin.

Die (wenigen) Details des NY Fed:

Liquiditätsswap der Fed mit der SNB

Liquiditätsswap der Fed mit der SNB

Die SNB hat dazu bisher keine Informationen veröffentlicht.

(Hat tip: ZeroHedge)

Nanex: HFT ist ausser Kontrolle

Die Firma Nanex ist darauf spezialisiert Echtzeit-Daten über Abschlüsse und Angebote für alle U.S. Aktien-, Optionen- und Futuresbörsen zur Verfügung zu stellen und hat ein Datenarchiv, das bis 2004 zurückreicht, angelegt, welches ungefähr 4 Billionen Angebote und Abschlüsse (Stand Ende Juli 2011) umfasst.

Nanex wertet die Daten nach verschiedenen Kriterien und mit verschiedenen Mitteln aus, speziell was die Einflüsse von High Frequency Trading (HFT) betrifft.

Der folgende Text ist die Übersetzung auf dem bei Nanex erschienen Artikel mit dem Titel ‘HFT is out of Control‘:

Seit kurzem haben uns Leser Links zu einigen Forschungsarbeiten, welche die Vorzüge von HFT anpreisen, namentlich, dass diese Liquidität zur Verfügung stellen, die Spreads reduzieren und möglicherweise auch Krebs heilen, zugesandt. Zuerst schien es, dass einige Arbeiten auf Daten von einem anderen Planeten basierten, aber beim genaueren Hinsehen wurde uns klar, dass diese einfach auf alten Daten basieren. Sehen Sie, während HFT gegen Null jagt, verlieren die Daten die es generiert ebenso schnell an Wert. Mit anderen Worten, jede, vor sechs Monaten geschriebene Arbeit, oder eine die aktuelle Daten nicht einbezieht, könnte ebensogut von Leuten auf einem anderen Stern geschrieben worden sein, weil es nicht akkurat beschreibt was heute im Markt passiert.

Die folgenden Grafiken demonstrieren wie sehr und wie schnell der Handel seit 2007 geändert hat. Wir stellen die Angebote für Aktien und die Abschlüsse für jede Minute des Handelstages, von Anfang 2007 bis 16. August 2011 (das sind ca 1165 Handelstage), dar.

Bitte beachten Sie die signifikanten Änderungen seit dem späten 2009 (hellgrün bis aqua-marin). Das ist das Jahr auf welchem viele pro-HFT Forschungsarbeiten basieren. Wenn die Forschungsarbeit vor dem Jahr 2011 stammt, oder noch schlimmer, aktuelle Daten ignoriert, ist die Arbeit möglicherweise nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt wurde.

[Anmerkung: Man muss sich in die Grafiken ein wenig einlesen, sie sind aber auch für Laien recht gut verständlich. Rot sind die aktuellen Daten, violett die ältesten Daten. Der Rest ist in den Grafiken erklärt.]

Grafik 1 – Spitzen ein-Sekunden Angebotsraten für Aktien, für jede Minute von 2007 bis und mit 16. August 2011 (Auf Grafik klicken für hochauflösende Version): Continue reading

Indische Rupie fällt auf 6-Monatstief

Die Indische Rupie verlor gegenüber dem Dollar an Wert. Dies ist vor allem auf die starke Nachfrage an Dollar der Ölimporteure zurückzuführen, aber auch auf schwächelnde lokale Aktien zurückzuführen.

“Der Ölpreis gibt nach und es gibt eine riesige Nachfrage nach Dollar. Dies ist der Hauptfaktor der fallenden Rupie heute”, sagte ein Händler einer staatlichen Bank.

Öl ist der Import No. 1 Indiens und die Ölraffinerien sind die grössten Käufer von Dollar im lokalen Markt.

Die partiell konvertierbare Rupie stand um 11:13 (05:43GMT) bei 45.6150 (bid)/45.6300 (ask)

(Quelle: Economic Times India-English)

Die Indische Rupie ist nur teilweise konvertierbar, d.h. die indische Regierung hält Restriktionen aufrecht, wieviel Kapital ins Land hinein und aus dem Land heraus fliessen können.

Für sog. ‘current account transactions’, wie zum Beispiel individueller Bedarf an Währung für Reisen oder Ausbildung im Ausland ist die Indische Rupie voll konvertierbar.

Investitionen in Übersee oder der Kauf von Vermögenswerten wird als ‘capital account transaction’ eingestuft und bedarf der vorgängigen Erlaubnis der Reserve Bank of India (RBI).

Tender Operation der ECB: 500 Millionen Dollar für eine Bank

Die ECB beschreibt eine ‘tender operation’ (auch tender procedure) so:

Eine Prozedur in welcher die Zentralbank dem Markt Liquidität zur Verfügung stellt oder entzieht basierend auf Geboten, die von den Gegenparteien im Wettbewerb zueinander abgegeben werden. Die wettbewerbsfähigsten Gebote werden mit Priorität erfüllt bis die gesamte Liquidität, welche die Zentralbank zur Verfügung stellen oder zurückziehen will, aufgebraucht ist.

Nun, in diesem Fall brauchte eine Gegenpartei (siehe ‘Tot Number of Bidders’) dringend Dollar Liquidität. Eine Bank braucht für 7 Tage 500 Millionen USD:

ecb-tender-17.8.2011

Wie ZeroHedge meint, wurde diese Liquiditätsfazilität seit März 2011 nicht mehr verwendet und der Vorgang könnte darauf hindeuten, dass mindestens eine Bank im EMU Raum Liquiditätsprobleme hat.

Was sind SNB Bills?

In den letzten Wochen hat die SNB die Girokonti welche die Banken bei ihr halten erhöht und hat heute eine weitere Ankündigung veröffentlicht zur weiteren Erhöhung der Girokonti von 120 auf 200 Milliarden.

Wie Girokonti, auch Sichtguthaben genannt, funktionieren, lesen Sie bitte in einem früheren Post auf Nullpunktfeld: ‘Sichtguthaben bei der SNB und ihr Einfluss auf die Geldmenge’.

Die Erhöhung der Girokonti soll durch den Kauf von sogenannten SNB Bills erfolgen. Wie aber funktioniert das?

SNB Bills sind nach dem SNB Glossar:

Die SNB kann im Rahmen des ordentlichen geldpolitischen Instrumentariums eigene Schuldverschreibungen in Franken und Fremdwährungen emittieren. Die Schuldverschreibungen in Franken (SNB Bills) dienen zur Abschöpfung von Liquidität und ermöglichen dadurch eine flexiblere Steuerung der Giroguthaben. Die Schuldverschreibungen in US-Dollar (SNB USD Bills) dienen zur Erhöhung der Fremdwährungsreserven und zur Finanzierung des Darlehens der SNB an die Zweckgesellschaft SNB StabFund.

SNB Bills sind also Schuldverschreibungen, auch Anleihen genannt, in Schweizer Franken der SNB mit denen die Giroguthaben, und damit die Geldmenge M1 (Giroguthaben sind Teil der Geldmenge M1 direkt und M3 indirekt) gesteuert wird.

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